Für eine schöne Welt

Schweiz 2016. DCP 16:9, Farbe, 74 min.

Für eine schöne Welt Für eine schöne Welt Für eine schöne Welt affiche

Die international bekannten Künstler Gottfried Honegger (1917) und Kurt Sigrist (1943) sind mir sehr nahe. Ich kenne beide seit langem persönlich. So unterschiedlich ihre Persönlichkeiten sind, so gibt es für mich etwas, was mich mit beiden vereint. Es ist das sich Ausdrücken mit dem Bild – die Sprache des Bildes. Mich interessiert, was sie mit ihrer Kunst unserer Zeit entgegenstellen.

Bei Gottfried Honegger, dem letzten Vertreter der «Zürcher Konkreten» steht das kreative Sehen und die Geometrie im Zentrum des Filmes. Er geht der elementaren Frage nach: Was steckt eigentlich hinter der Kunst, von Altamira bis heute? Er reflektiert über die Bedeutung des Sehens und der Wahrnehmung und denkt über die Wirkung auf den Menschen nach. Er plädiert für eine Gesellschaft, die wieder  vermehrt von der Kultur bestimmt ist.

Kurt Sigrist, ein Künstler im Umfeld der Objektkunst und Skulptur, sprengt Normen. Ihm geht es um den Bezug von Räumen und Orten, um das Erlebnis von Innen und Aussen, von Ein- und Ausblicken. Viele Objekte sind geprägt von leeren Räumen, die wir füllen müssen mit unseren Erfahrungen, Gedanken, Ideen und Assoziationen. Es sind eigentliche sakrale Stationen inmitten unserer hektischen Zeit.

So wie die beiden Künstler habe ich als Filmemacher den Anspruch, dass der Betrachter oder der Zuschauer ein Bild oder einen Film zu einem Ganzen, zu seinem persönlichen Erlebnis macht und dem Erlebten selbst einen Sinn gibt.

RegieErich Langjahr
DrehbuchErich Langjahr
MitwirkendeDie beiden Künstler Gottfried Honegger und Kurt Sigrist
Im Weiteren Franz Enderli (Regierungsrat Kanton Obwalden), Guido Magnaguagno (Kunsthistoriker), Friedhelm Mennekes (Theologe), Hanspeter Müller-Drossaart (Schauspieler), Roxana Pirovano Malmberg (Galeristin), Beat Stutzer (Kurator) und andere
KameraErich Langjahr, Silvia Haselbeck
TonSilvia Haselbeck
SchnittErich Langjahr
MusikUrban Mähder und Christian Hartmann
MitarbeitSilvia Haselbeck: Schnittassistenz
Tonschnitt, Mischung: René Zaugg
Color Grading: Nick Schneider
Plakat: Art Ringger
Dauer74 min.
FormatDCP 16:9
VerleihversionenSchweizerdeutsch / deutsch untertitelt / english subtitles
Verkauf DVD/VideoDVD :  [Bestellen]
ProduktionLangjahr-Film GmbH, Luzernerstrasse 16, CH-6037 Root
Tel. +41-41-450 22 52 – Fax +41-41-450 22 51
E-mail: info@langjahr-film.chMitteilung sendenwww.langjahr-film.ch
WeltrechteLangjahr-Film GmbH
Verleih Schweiz
und international
Langjahr-Film GmbH, Luzernerstrasse 16, CH-6037 Root
Tel. +41-41-450 22 52 – Fax +41-41-450 22 51
E-mail: info@langjahr-film.chMitteilung sendenwww.langjahr-film.ch
UraufführungRelease 2016
Festivals42. Internationales Filmwochenende Würzburg 28.- 31. Jan. 2016
Auszeichnungen/Preise2. Dokumentarfilmpreis am 42. Internationalen Filmwochenende Würzburg 2016
ISAN0000-0003-F81A-0000-X-0000-0000-C
Suisa-Nr.1010.929

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Pressestimmen

Zitate

Hypnotisch gebannt, erkennt man die Schönheit dieser Welt in einem archaischen Arbeitsprozess – die Kunst ist dabei nur die Hebamme.
Tages-Anzeiger, Ewa Hess

«Für eine schöne Welt» lässt einen spüren, was hinter der Kunst von Honegger und Sigrist steckt. Und ebenso, was die Filmkunst von Erich Langjahr ausmacht.
Neue Luzerner Zeitung, Bote der Urschweiz, Andreas Stock

Erich Langjahr setzt in seinem Film auf lange, ruhige Aufnahmen und lässt so den Zuschauer die Arbeiten dieser beiden gegensätzlichen Künstler nach und nach verstehen. Man zieht die Bilder förmlich in sich rein und hat am Schluss den Eindruck, einen neuen Zugang zu den beiden Meistern gefunden zu haben.
Kulturtipp, Rolf Hürzeler

Erich Langjahr fügt mit seinem Film unserer Ursprungsfrage – Werk oder Künstler? – noch einen weiteren Aspekt zu: jene, wie man sich dem Werk nähert. Was er nicht beantworten kann, ist, was dem Zuschauer besser gefällt. Das liegt im Auge des Betrachters.
Tageswoche, Karen N. Gerig

Für eine schöne Welt rückt in elegischen Bildern und langen Einstellungen die beeindruckenden Werke der Beiden in den Mittelpunkt und sorgt für ein sinnliches Filmerlebnis, das komplex und vielschichtig ist.
Blick

«Für eine schöne Welt» belegt erneut, wie Erich Langjahr bei seinen Leisten zu bleiben versteht.
Filmbulletin, Pierre Lachat

Persönliche Beziehungen, ein kluges Konzept, eine sorgfältige Montage und sparsame sphärische Musikklänge ergeben einen interessanten, anregenden, vielschichtigen Film. Der Film lädt uns ein, zu schauen, zu hören, zu fühlen, zu denken und am Schluss wahrzunehmen.
Seniorenweb / der-andere-film.ch,  Hanspeter Stalder

«Für eine schöne Welt» ist ein spannendes und zugleich rührendes 74 Minuten dauerndes Filmdokument mit der unverkennbaren Handschrift Erich Langjahrs, der damit seinen Anspruch an sich selbst erfolgreich erfüllt, den Zuschauer zur Reflexion über Kunst in der Gegenwart anzuregen. In einer Gegenwart, die von Hektik und Unruhe geprägt ist.
Zugkultur.ch, Andreas Fässler

Für eine schöne Welt ist ein verschmitzter und inhaltlich fesselnder Essay-Film, an dessen Kristallisationspunkt eine einzige, wichtige Frage aufflammt: die nach dem Ort, den die Kunst in der heutigen schnelllebigen Welt findet, und welche Aufgabe ihrem Erleben noch zukommt.
Movie News

Unter den Augen von Künstler und Filmer gehen die Arbeiter mit heiligem Ernst zu Werke: hoch konzentriert, fachmännisch, schwitzend vor Hitze. Und all dies, damit am Ende etwas Schönes und Erstaunliches seinen Weg in die Welt findet.
Bündner Tagblatt, Carsten Michels

Langjahr vermittelt sehr subtil und einfühlsam Ein- und Aussichten der Arbeiten, den philosophischen, denkwürdigen Hintergrund der Kunstschaffenden. So sind denn auch keine eigentlichen Porträts entstanden, sondern Reflexionen und Impressionen ihrer Arbeiten, ihrer Haltung, ihres Verständnis zur Kunst, zur Umwelt.
literaturundkunst.net,  Rolf Breiner

Ein so spartanischer wie stimulierender Film.
NZZ am Sonntag, Christian Jungen

Langjahr gelingt es, zwei sehr gegensätzliche Künstler so ins Bild zu setzen, dass bei beiden der Schaffensprozess und das Engagement spürbar werden – mit oder ohne Worte. «Wir leben in einer katastrophal ernsten Situation», sagte Gottfried Honegger letzte Woche an der Vorpremiere in Zürich. «Wir sollten uns mehr anstrengen. Au travail!»
WOZ, Fredi Bosshard

Kunst wird nicht erklärt, sondern Kunst wird. Und während wir schauen, ahnen wir, weshalb für Langjahr in einer schönen Welt neben der Kunst des Käsers und der Kunst des Schäfers ganz selbstverständlich die Kunst des Künstlers steht.
Forum, Thomas Binotto

Erich Langjahr, geboren 1944 in Baar, macht immer die eigene Umgebung zum Thema, er zeigte in seinen Filmen Zeitbilder aus der Mitte der Schweiz.
Der Landbote, Stefan Busz

Faszinierende Kunst-Arbeit

Der eine doziert ohne Unterbruch, der andere schweigt wie ein Grab. Dazwischen: der unermüdliche Filmemacher. «Für eine schöne Welt» nennt Erich Langjahr (71) seinen neuen Film und porträtiert darin zwei Künstler, die auch seine Freunde sind: Gottfried Honegger (99) und Kurt Sigrist (72). Bisher hat Langjahr mit seiner beharrlichen Kamera vor allem Arbeitswelten erforscht, vornehmlich jene, die zu verschwinden drohen. In rund 30 Berufsjahren hat der Schweizer Filmemacher in acht Kinofilmen das Wirken von Sennen, Hirten und Bauern geschildert. Nun verlässt er Berge und Täler und widmet sich den Künstlern. Den Vertretern einer Berufsgattung also, die weder vom Aussterben bedroht ist noch sonst wie von der neoliberalen Moderne bedrängt wird.

Auch in der Welt der Ästhetik gibt es letzte Mohikaner, und die stehen mit ganzem Herzen auf ihrer Seite. Zuerst kommt der bald 100-jährige Honegger an die Reihe. «Hast du eine Geometrie, oder hast du keine?», fragt er direkt in die Kamera – und formuliert damit nicht nur die zentrale Frage der Zürcher Konkreten, sondern auch den Sinnzusammenhang seines eigenen Künstlerlebens.

Zwar rennen Honeggers ästhetische Plädoyers für eine Welt, in der Kunst eine Rolle im Alltagsleben spielt, in der heutigen Welt offene Türen ein. Dennoch ist es richtig, dass der Filmemacher ihm den Raum gibt, seine Ansichten frontal zu äussern. Denn Honegger ist ein leidenschaftlicher Verfechter einer Kunst, die den ursprünglichen menschlichen Schönheitssinn über komplexe Zusammenhänge der neuen, digital vernetzten Welt stellt. Das verbindet ihn mit dem in der zweiten Filmhälfte porträtierten Sigrist, mit dessen rauer, archaischer Kunst der gepflegte Zürcher Konkrete auf den ersten Blick wenig gemeinsam hat. Sigrists Eisen- und Holzskulpturen, so karg sie daherkommen, haben nämlich immer den Menschen und seine Behausung im Blick – durchaus auch in der sakralen Dimension.

So wird «Für eine schöne Welt» zu einem wichtigen Zeitdokument über zwei Schweizer Künstler, die unbeirrt ihren Weg gehen, die heute vorherrschende Konzeptkunst links liegen lassen und auf die ursprüngliche Kraft des Objekts vertrauen, der menschlich adaptierten Geometrie.

Seine intensivsten Momente erreicht der Film allerdings bei der Beobachtung der menschlichen Arbeit, schon immer Langjahrs Stärke. Die Sequenz, in der die Kamera die Entstehung einer Skulptur Sigrists begleitet, von der Skizze über ein Holzmodell bis zur Formung im glühenden Schmiedeofen, ist ein faszinierendes Beispiel der Slow Action à la Langjahr. Hypnotisch gebannt, erkennt man die Schönheit dieser Welt in einem archaischen Arbeitsprozess – die Kunst ist dabei nur die Hebamme.

Tages-Anzeiger, Ewa Hess

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Kunst, die zum Leben gehört

Der bekannte Luzerner Filmemacher Erich Langjahr beschäftigt sich in «Für eine schöne Welt» mit der Kunst. Es ist ein typischer Langjahr-Film geworden.

Viele haben in den letzten Jahren auf Alpen und Höfen ihre Kameras aufgebaut, sind dem bäuerlichen Alltag dokumentarisch auf den Leib gerückt. Erich Langjahr müsste ihnen allen ein Vorbild sein. Der Innerschweizer ist der herausragende Kino-Chronist des ländlichen Lebens, das er in rund 30 Berufsjahren in acht Kinofilmen erfasst hat. Zuletzt 2012 in «Mein erster Berg», der liebevollen Hommage an seinen Hausberg, die Rigi. Sein neuer Film ist eine Überraschung, weil Langjahr für einmal den Bauern den Rücken kehrt und sich mit zwei Kunstschaffenden beschäftigt. Und doch ist «Für eine schöne Welt» ein typischer Langjahr-Film geworden.

Mit dem Zürcher Gottfried Honegger und dem Obwaldner Kurt Sigrist führt Erich Langjahr zwei auf den ersten Blick gänzlich unterschiedliche Künstler zusammen, die er seit langem persönlich kennt. Einerseits den 98-jährigen Honegger, der trotz seines hohen Alters noch immer arbeitet und sich höchst eloquent und engagiert über die Kunst und das Leben äussert. Und den im Film eher ruhigen, zurückhaltenden Objektkünstler Kurt Sigrist andererseits. Jedem widmet sich der knapp 80-minütige Film gefühlt hälftig, bei beiden bildet die Vernissage zu einer Ausstellung ein zentrales Element. So charakterlich unterschiedlich die zwei Menschen, so einfühlsam unterscheidet sich die filmische Herangehensweise.

Kunst muss Alltag sein
Honegger spricht in der kurzen Zeit wohl mehr, als die Protagonisten in Langjahrs früheren Filmen zusammen. Aber der Regisseur hat guten Grund, ihn direkt in die Kamera sprechen zu lassen. Denn was der letzte Vertreter der sogenannten «Zürcher Konkreten» über die Kunst und seine grosse Leidenschaft, die Geometrie, zu sagen hat, ist gescheit und oft pointiert: «Wir müssen der Kunst wieder Raum in unserem Alltag geben – ein Besuch im Museum, das genügt nicht. Mit der Kunst muss man jeden Tag leben.» Sagt Honegger und formuliert einen Kunstbegriff, der in der Schönheit von alltäglichen Dingen, im Handwerk und in der Volkskunst fusst.

Der künstlerische Arbeitsprozess
Wenn Gottfried Honegger am Ende sagen wird, dass der Mensch die Kunst braucht, weil unser Hirn in Bildern denkt, gilt das insbesondere fürs Kino: Bilder bestimmen unser Denken und Fühlen gerade hier. «Wir müssen uns ein Bild machen können, um im Bilde zu sein», so Honegger. Und Langjahr zeigt anhand der Arbeit von Kurt Sigrist beispielhaft, wie das im Kino aussehen kann. Neugierig und geduldig begleitet er die Vorbereitungen zur Retrospektive 2013, die in der Turbine Giswil ausgerichtet wird. So im Transport der grossen Objekte, die im öffentlichen Raum stehen und temporär in den Museumsraum gezügelt werden.

Ein Höhepunkt ist einmal mehr, wenn Erich Langjahr zusammen mit seiner Frau und Filmpartnerin Silvia Haselbeck den Menschen bei der Arbeit zusieht. So, wie früher einem Appenzeller Senn beim Käsen, bei der Entstehung von speziellen Holzsandalen für die Wildheuer im Muotatal oder beim Bau einer Blockhütte auf der Rigi. Hier nun dabei, wie Kurt Sigrist eine neue seiner grossen, schlanken Stahlobjekte erschafft, die er «Behausungen» nennt. Die äussere Form erinnert an eine menschliche Gestalt mit ihren langen Beinen und Füssen. In die obere Hälfte ist eine hohe, hausähnliche Silhouette hineingeschnitten, die den Blick in die Landschaft freigibt. Der Film begleitet die Entstehung von der Papierskizze über ein kleines Holzmodell bis zur aufwendigen Produktion in der Formschmiede Imbach in Nebikon. Gebannt folgt man dem Prozess, den Langjahr gewohnt filmisch konzentriert festhält. Staunend wird man Zeuge, wie Handwerk und Kunstwerk
unter grosser Hitze wahrlich verschmelzen.

Typisch für die Arbeitsweise von Erich Langjahr ist zudem, dass er bis auf kurze Einführungs- oder Zwischentitel auf kommentierende Elemente verzichtet. Umso mehr lässt er uns sehend entdecken. «Für eine schöne Welt» lässt einen spüren, was hinter der Kunst von Honegger und Sigrist steckt. Und ebenso, was die Filmkunst von Erich Langjahr ausmacht.

ANDREAS STOCK, Neue Luzerner Zeitung 13.1.16

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Im Film Kunst erfahren und hinterfragen

Erich Langjahr setzt sich im Film «Für eine schöne Welt» mit zwei bedeutenden Schweizer Künstlern auseinander: mit Gottfried Honegger hinterfragt er die Kunst, mit Kurt Sigrist lässt er sie erfahren.

Von Altamira bis in die klassische Moderne mit Gottfried Honegger und von dort weiter in unsere aktuelle Schweizer Kunst mit Kurt Sigrist spannt sich der Bogen der Themen im Film «Für eine schöne Welt». Der Zuger Filmemacher Erich Langjahr lädt damit zu neuen Wahrnehmungen ein. Persönliche Beziehungen, ein kluges Konzept, eine sorgfältige Montage und sparsame sphärische Musikklänge ergeben einen interessanten, anregenden, vielschichtigen Film. Zwei Künstler werden darin anlässlich von Vernissagen vorgestellt, Honegger in der Galerie Pro Arte bei Roxana Pirovano, Sigrist anlässlich der Vernissage in der Turbinenhalle in Giswil. Zusätzlich werden Sigrist beim Herstellen, Honegger bei Vorträgen begleitet. Das Vernissagepublikum samt der dazu gehörenden Reden nehmen einen breiten Raum ein. Das Ganze bietet interessante Anregungen zur persönlichen Auseinandersetzung mit der Kunst generell.

«Im Zentrum all meiner Filme steht der Mensch mit seinem Bedürfnis nach Sinn, nach Wahrheit und nach Schönheit. Es ist mein Versuch, das Leben, den Menschen und letztlich mich selbst in dem zu verstehen, was ich tue», so der 1944 in Zug geborene Dokumentarfilmer Erich Langjahr, der die meisten seiner Filme zusammen mit seiner Gattin Silvia Haselbeck realisiert. Aufgefallen ist er, nach einigen weniger bekannten Kurzfilmen, einer breiten Öffentlichkeit mit den Dokumentarfilmen «Ex-Voto» (1986), «Männer im Ring» (1990), «Sennenballade» (1996), «Geburt» (2009) und zuletzt «Mein erster Berg» (2012).

Was steckt hinter der Kunst?
Nicht um die Frage «Was ist Kunst?», sondern «Was steckt hinter der Kunst?» beginnt Gottfried Honegger sein erstes Statement, dem im Lauf des Filmes weitere folgen. Dabei blendet er 12'000 Jahre zurück bis zu den Höhlenzeichnungen von Altamira, würdigt die erhabene Kunst der mittelalterlichen Kathedralen, schliesst mit Picasso und Mondrian und hebt die Bedeutung der Kunst für die Kinder hervor. Einige Aussagen wirken auf mich etwas apodiktisch und doziert, sind jedoch klar und eindeutig, so der Satz, der an der Tür seines Ateliers an der Helenastrasse in Zürich steht: «Wenn du nicht Geometer bist, trete nicht ein.» Relativierend wirkt jedoch seine mündliche Ergänzung: «Geometrie ist für mich eine Religion, aber für den täglichen Gebrauch.» Seine Industrialisierungs- und Kapitalismuskritik, die er mit Verve vorträgt, wirken herausfordernd und anregend, wenn man sie als Denkanstösse, nicht als Dogmen nimmt.

«Was steckt hinter der Kunst», das fragt auch Erich Langjahr im ganzen Film. Es geht ihm nicht darum, zwei Künstler zu porträtieren, sondern das Phänomen von zwei Seiten zu betrachten, es zu erfahren und zu diskutieren. Er geht dabei ähnlich vor wie der Grossmeister des Dokumentarfilms, Frederick Wiseman in seinem 2014 realisierten dreistündigen Film «National Gallery». Darin werden auch nicht die Künstler und ihre Werke in der Londoner National Gallery vorgestellt, sondern die bei zahllosen Museumsführungen gemachten Aussagen, die im mündlicher Diskurs die Kunst hinterfragen.

Die Leere und das gezeichnete Ich
Mit dem Titel «Normen sprengen mit Kurt Sigrist» wird der zweite Künstler eingeleitet, mit dem uns Langjahr bekannt macht. Der jüngere Sigrist (1943) erweist sich als Gegenpol des älteren Honegger (1917). Jener sucht und fragt, bei diesem ist alles klar und bestimmt. Im Anblick der Räume schaffenden und einnehmenden Werke aus Holz oder Eisen, eigentlichen Kunsträumen, «Leerräumen» oder «Behausungen», die man betreten und umkreisen oder durch welche man blicken kann, erinnere ich mich an ein vor Jahrzehnten erstmals gelesenes Gedicht von Gottfried Benn. Der Dichter kommt, indem er nach dem Wozu allen Lebens fragt, zu dem existenzialistischen Schluss, dass dies die «Leere und das gezeichnete Ich» sei. Ähnlich könnte die Maxime, das geistige Fundament der Kunst von Kurt Sigrist heissen. Auch bei ihm geht es um die Leere als Symbol für die Welt, in die hinein der Mensch geworfen wurde, um sie als seine Lebensaufgabe zu füllen: mit Gedanken, Ideen, Assoziationen und Tun.
Im Gegensatz zu Honegger spricht Sigrist im Film kein Wort über Kunst. Von ihm werden lediglich die Werke aus Holz und Eisen und deren Entstehungsprozesse gezeigt: Räume und Leerräume. Bei ihm geht es um die gleiche Leere wie bei Benn und um den Akt des Füllens, zu dem er uns einlädt. «Du machst den Ort erst zu einem Ort, du erfindest einen neuen Standort», formuliert es Beat Stutzer, der Kurator der Ausstellung. Solche Aussagen lässt uns die Kamera eindrücklich erfahren. Von «einem leeren Raum voller geistiger Dimensionen» spricht der Theologe Friedhelm Mennekes, Eduardo Chillida zitierend, ja sogar von der «Sakralität der Räume» angesichts der Werke von Kurt Sigrist.

... und was macht Langjahr damit?
Bei der Auswahl der zwei Künstler und deren Œuvre wird es deutlich: Der eine sagt, wie es ist, der andere fragt und sucht, lädt uns zum Suchen und Fragen ein. Dies drückt sich bereits beim Abfilmen des Vernissagepublikums aus: Die Leute bei Honegger kommen zu ihm als dem Meister, die Leute bei Sigrist durchwandern selbstständig die Räume und füllen so die Leeren. Die zwei verschiedenen Annäherungen ergänzen sich im Film von Langjahr. Er ist der Wissende und der Fragende und verbindet beides.

Der Film lädt uns ein, zu schauen, zu hören, zu fühlen, zu denken und am Schluss wahrzunehmen, d. h. einiges davon für uns als Wahrheit anzunehmen. – Zurück zum Titel «Für eine schöne Welt», der anfänglich auf mich etwas didaktisch wirkte, der schliesslich eine tiefere Bedeutung bekommen hat. Er verweist in seiner Aussagen zurück bis zu Thomas von Aquin. Etwa im Folgenden: «Die Schönheit als die Verbindung des Guten und des Wahren. (...) Das Schöne ist das Gute, sofern es wahrgenommen oder erkannt wird. (...) In ihrem Subjekt sind Schönes und Gutes dasselbe, denn sie gründen auf derselben Realität.»

Hanspeter Stalder, der-andere-film.ch

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Für eine schöne Welt

Denkwürdige Denkanstösse. Zwei Schweizer Künstler, unterschiedlich im Ausdruck, in der Umsetzung, aber mit einem gemeinsamen Nenner: Sie verstehen Kunst als Wahrnehmung und Objekte im öffentlichen Raum. «Wir müssen uns ein Bild machen, um im Bild zu sein», sagt Gottfried Honegger (Jahrgang 1917). Er ist ein bedeutender, vielleicht der letzter Vertreter der «Zürcher Konkreten». Geometrische Formen, geometrischer Ausdruck sind seine «Markenzeichen». Honegger reflektiert über das Sehen, die Wahrnehmung, die Wirkung, getrieben von der Frage: Was steckt dahinter, was macht Kunst aus, was treibt sie, was ist ihr Quell, ihr Ursprung. Kurt Sigrist (Jahrgang 1943) aus Sachseln sind Räume wichtig, sie sind Bezugspunkte und sozusagen Resonanzböden für seine Skulpturen und Objekte. Diese Werke sollen Räume füllen, beleben, zu ihnen in Zwiesprache treten.

Der Innerschweizer Filmer Erich Langjahr («Das Erbe der Bergler», «Mein erster Berg») hat die beiden Künstler in den Mittelpunkt seines Dokumentarfilms gestellt – unabhängig voneinander. Es gibt keine tatsächlichen Begegnungen zwischen ihnen, nur geistige Verbindungen, wenn man so will. Werkstattbesuche und -gespräche. Langjahr vermittelt sehr subtil und einfühlsam Ein- und Aussichten der Arbeiten, den philosophischen, denkwürdigen Hintergrund der Kunstschaffenden. So sind denn auch keine eigentlichen Porträts entstanden, sondern Reflexionen und Impressionen ihrer Arbeiten, ihrer Haltung, ihres Verständnis zur Kunst, zur Umwelt.

Rolf Breiner, literaturundkunst.net

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«Für eine schöne Welt»

Einer schweigt, einer spricht, beide machen Kunst – auf den Spuren von Honegger und Sigrist

Der Filmemacher Erich Langjahr hat sein neuestes Werk den Künstlern Gottfried Honegger und Kurt Sigrist gewidmet. Darin zeigt er – unter anderem –, dass man sich einem künstlerischen Werk im Film auf ganz unterschiedliche Weise nähern kann. Von Karen N. Gerig

Ein Film über Künstler zu drehen, stellt den Filmemacher zunächst vor die eine Frage: Was steht im Zentrum – der Künstler oder sein Werk? Würde er den Künstler fragen, so lautete dessen Antwort mit ziemlicher Sicherheit: «Mein Werk!» Denn schliesslich sind Werk und Leben desjenigen meist eins. In den Dokumentarfilmen von Erich Langjahr steht jedoch zunächst der Mensch, so ist man sichs gewohnt. Und wenn er sich nun in seinem neuesten Film den Künstlern Gottfried Honegger und Kurt Sigrist nähert, so fragen wir uns, wie es in diesem Fall wohl sein wird.

Werk und Beweggründe
74 Minuten später sind wir schlauer. Wir wissen viel über Sigrists Werk – und noch mehr über Honeggers Beweggründe. Es sind zwei vollends verschiedene Künstlertypen, die Langjahr uns hier auf unaufgeregte Weise präsentiert.

Der Film «Für eine schöne Welt» teilt sich in zwei Teile, er folgt zunächst Gottfried Honegger, der in der Zürcher Galerie Pro Arta eine Ausstellung plant. Der 97-jährige Künstler ist nicht scheu.
Er erzählt nicht nur von Vorträgen, die er an den unterschiedlichsten Orten hält, sondern er äussert sich auch vor der Kamera freimütig über sein Kunstverständnis: Frontal vor den Zuschauer gesetzt, formuliert der letzte Vertreter der «Zürcher Konkreten» seine Gedanken zu Kultur und Kunst, zur Geometrie, die «der Schlüssel zur gesamten Gestaltung des Universums» ist, und zu Kindern, die «nicht nur malen wollen, sondern müssen». Weil ihre Gehirne – wie auch die von uns Erwachsenen im Übrigen – in Bildern denken.

Es geht Honegger um das Sehen, es geht ihm um die absolute Sehfreiheit, die uns die konkrete Kunst – also auch seine – mit ihren klaren, abstrakten Formen bietet. Die uns dadurch erst zum Denken anregt, weil sie unserem Gehirn nicht etwas sofort Erkenn- und Zuortbares vorsetzt. Honegger, so hat man das Gefühl, ist ein wahrer Missionar für das Bild. Es sind viele Gedanken, die der Zürcher, der so lange in Paris lebte, in diesem Film mit uns teilt. Einige sind darunter, über die man gerne länger sinnieren täte. Dazu bietet uns der zweite Teil des Films die nötige Ruhe. Denn Kurt Sigrist scheint kein Mann der vielen Worte – er lässt lieber sein Werk für sich sprechen. Auch Sigrist wird von Langjahr beim Aufbau einer Ausstellung begleitet. Und wie Honegger auch arbeitet der Obwaldner bevorzugt mit dem Raum – und mit der Landschaft.

Was der Film uns über Sigrists Kunstverständnis erzählt, kommt aus den Mündern anderer Leute, die über seine Arbeit sprechen. Sigrist selber sagt kein Wort, sondern lässt uns dabei zusehen, wie seine Werke entstehen. Welchen Kraftakt es braucht, um seine schweren, grossen Skulpturen zu fertigen und von einem zum nächsten Ort zu transportieren. Und schliesslich die Neugier, die die Besucher seiner Ausstellung vor seinen Werken umtreibt.
Erich Langjahr fügt mit seinem Film unserer Ursprungsfrage – Werk oder Künstler? – noch einen weiteren Aspekt zu: jene, wie man sich dem Werk nähert. Was er nicht beantworten kann, ist, was dem Zuschauer besser gefällt. Das liegt im Auge des Betrachters.

TagesWoche Online, 12.1.2016, Karen N. Gerig

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Zwei bedeutende Schweizer Künstler blicken hinter die Kunst

Der 71-jährige Erich Langjahr, einer der interessantesten Schweizer Filmschaffenden, ist immer wieder für eine Überraschung gut. Ob er Schwinger, Sennen, Hirten oder Bergler beobachtet, immer wieder lässt er uns neue Blickwinkel entdecken. 

Auch jetzt, wo er sich zwei ganz verschiedenen Schweizer Künstlern behutsam nähert. Gottfried Honegger, der vor einigen Tagen fast 100jährig verstorben ist, war ein Vertreter der konstruktiv-konkreten Kunst, sinniert und philosophiert in Langjahrs Porträt über Kunst, was dahinter steckt und warum Kunst seit 12000 Jahren das Leben der Menschen  begleitet. Honegger, der letztes Jahr im Centre Pompidou ausstellte und dessen Kunstwerke überall auf Plätzen in der Schweiz begegnet werden kann, wählt seine Worte mit Bedacht, hat Bodenhaftung mit der Kunst, schwadroniert nie ins Psychologische, sondern versucht, den Zuschauer behutsam hinter den Begriff Kunst zu führen. Reflektiert über die Bedeutung des Sehens und der Wahrnehmung, angefangen bei den Höhlenmalereien von Altamira. Und der einstige Freund und Weggefährte von Max Frisch plädiert für eine Gesellschaft, die wieder vermehrt die Kultur in ihren  Mittelpunkt stellt. Seine Statements sind sein Vermächtnis.

Rauminstallationen. Im Gegensatz zu Gottfried Honegger, dem letzten Vertreter der Zürcher Konkreten, ist der 72-jährige Innerschweizer Skulpteur Kurt Sigrist ein Meister der Rauminstallationen. Langjahr zeigt den Künstler beim Giessen und Erschaffen eines Objektives in der Freiformschmiede Nebikon und beim Einrichten seiner Retrospektive 2013 in der Turbinenhalle Giswil. Langjahr beobachtet das Publikum bei der Objektbegehung, die ihm eine neue Beziehung zu Räumen schafft, ihm Ein- und Ausblicke ermöglicht. Viele von Sigrists Objekten sind geprägt von leeren Räumen, wobei der Betrachter und Begeher aufgefordert wird, die Leere mit Gedanken und Ideen, mit Assoziationen und Hinterfragungen zu füllen. Und zwischen all die tiefschürfende Kunstdarstellung schneidet Langjahr auch mal den Schauspieler Hanspeter Müller-Drossaart, der mit einer kleinen Parodie auf ein Kunstwerk für eine Denkpause sorgt.  

Denkmal. Erich Langjahr - Drehbuch, Regie, Kamera, Schnitt - hat hier einen nur 78-minütigen Film geschaffen, der den beiden bedeutenden Schweizer Künstlern ein Denkmal setzt. Dabei bleibt Langjahr wie immer eigenwillig – denn wer würde bei der Musikauswahl u.a. auch „Die Abwesenheit des Igels beim Einbrechen der Nacht“ wählen?

Biel-Bienne, Mario Cortesi

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Die Sprache des Bildes

Die Werke von Gottfried Honegger und Kurt Sigrist sorgen in dieser Doku für eine meditative, schwelgerische Filmerfahrung. Für eine schöne Welt fordert den Zuschauer, belohnt ihn aber auch mit imposanter, sinnlicher Kunst.

Für eine schöne Welt widmet sich der Arbeit der beiden Künstler Gottfried Honegger und Kurt Sigrist, die Regisseur Langjahr seit langem persönlich kennt. Honegger, Jahrgang 1917, ist als der letzte Vertreter der «Zürcher Konkreten» ein weltweit renommierter Plastiker und Grafiker und vertritt die Ansätze der konstruktiv-konkreten Kunst. Der 72-jährge Bildhauer und Objektkünstler Sigrist ist international in erster Linie geschätzt für seine Kunst-Installationen im öffentlichen Raum. Der Film lässt die Künstler zu Wort kommen, zeigt Einblicke in Ausstellungen und präsentiert ausgiebig und umfassend deren Gemälde, Objekte und Installationen.

Seit den späten 70ern entwickelte sich Regisseur und Produzent Erich Langjahr zu einem der renommiertesten Schweizer Dokufilmer. Menschen und die universellen Fragen des Lebens nach der eigenen Identität und dem Kampf ums Überleben, stehen seit jeher im Mittelpunkt seiner Filme. Thematisch befasste er sich bis heute u.a. mit den Traditionen des Hirtens (Hirtenreise ins dritte Jahrtausend) oder der des Wildheuens (Das Erbe der Bergler). Ganz den Aspekten Kunst und Kreativität widmet er sich nun in Für eine schöne Welt.

Es ist ein Film, der fordert und sich durch Komplexität auszeichnet, aber auch schwelgerisch und beruhigend geraten ist. In langen Einstellungen sind die eindrücklichen Kunstwerke der Künstler zu bewundern. Die erste Hälfte widmet sich Honegger und seinem «konkreten» Kunstverständnis. Für den mittlerweile fast 100-jährigen Honegger sind das kreative Sehen und die Geometrie seit jeher die Essenz seiner Arbeit. Interessant sind vor allem die Interviews mit ihm, in denen er seine Ansichten über Stilrichtungen wie den Kubismus oder das Wirken der Geometrie darlegt und stets als präziser Beobachter und wortgewandter Kunstschaffender auftritt.

Die zweite Hälfte widmet sich Sigrist und seinen raumbezogenen, zumeist begehbaren Objekten. Der Film zeigt die 2013er Ausstellung «Kurt Sigrist Retrospektive» aus der Turbinenhalle in Unteraa. Die Kamera ist dabei, wenn die Besucher mit den Objekten (gedanklich oder körperlich) verschmelzen, über deren Bedeutung und Aussagen sinnieren, in sie eintreten und mit ihren Körpern die leeren Innenräume füllen. An dieser Stelle entfaltet der Film voll und ganz seine träumerische, meditativ-besinnliche Kraft. Er fordert auf, sich mit sich und der Welt auseinanderzusetzen und ist in seiner Machart und hinsichtlich der Inhalte anspruchsvoll und alles andere als leichte Kost. Aber die Entscheidung, sich mit dem Film und seinen Themen eingehender zu beschäftigen, wird belohnt.

Björn Schneider, Cineman.ch

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Für eine schöne Welt: Kurt Sigrists Kunst kommt ins Kino

«Die international bekannten Schweizer Künstler Kurt Sigrist und Gottfried Honegger sind mir sehr nahe», sagt der mehrfach ausgezeichnete 71-jährige Zuger Filmschaffende Erich Langjahr.

Wohl deshalb widmet er den beiden seinen neusten Film «Für eine schöne Welt». Was ihn als Filmer an diesen Künstlern gleichermassen interessiert wie fasziniert Selber sprechen muss Sigrist schon deshalb nicht, weil dies sehr gekonnt im Film eingebettet- andere tun. habe, so Langjahr, sei die Sprache des Bildes. Ihr unterschiedliches und doch gemeinsames Sich-Ausdrücken über die Kunst.

Und Langjahr verrät auch, warum er die zwei Künstler mit seiner Kamera über eine längere Zeit so gerne begleitet hat: «Mich interessierte, was sie unserer Zeit mit ihrer Kunst entgegenstellen.» Hauptdarsteller ohne Stars zu sein Erich Langjahr (Innerschweizer Kulturpreisträger) stellt in den Mittelpunkt seiner Filme immer wieder den Menschen mit seinem Sinn für Wahrheit und auch Schönheit. Im neusten Film ist es zum einen der in der halben Welt tätige und bekannte Zürcher Gottfried Honegger. Der 98-lährige gilt als letzter Vertreter der «Zürcher Konkreten».

Dieser alte Mann mit dem kreativen Sehen und der Geometrie im Zentrum seiner Werke benutzt denn auch das Forum «Film», um sein fast feuriges Plädoyer für eine neue Gesellschaft, zu halten. Für eine Gesellschaft, die wieder vermehrt von der Kultur bestimmt ist. Er tut dies mit Werkbeispielen und engagierten Worten, ohne sich dabei als Filmstar in Szene zu setzen. Auf der andern Seite begegnen wir dem zeitlebens in Obwalden gebliebenen, 1943 geborenen Kurt Sigrist.

Dieser setzt sich gerade gar nicht als Star in den Mittelpunkt. Ja, er blickt im etwas mehr als einstündigen Dokumentarfilm kaum je in die Kamera, und er sagt auch nichts ins Mikrofon. Weder über sich noch über sein Werk. Wir begegnen dem Meister der Objektkunst und Skulptur vor allem bei der Arbeit.

Etwa bei der Vorbereitung der grossen Retrospektive in der Turbinenhalle Unteraa in Giswil vor zwei Jahren. Und immer wieder an seinen verschiedenen Arbeitsplätzen. Raum muss Echo in uns finden Erich Langjahr setzt die von Kurt Sigrist gestalteten Räume behutsam in Bilder um. Für sie gilt, was der in der Giswiler Vernissage-Rede zitierte baskische Bildhauer Edoardo Chillida sagt: «Der Raum versetzt die Materie, die ihn umgreift in Bewegung... er muss seine Entsprechungen, sein Echo in uns finden, er muss eine Art geistige Dimension besitzen.» Gut zu sehen, als Kurt Sigrist seinen berühmten Karren mit dem Titel «Zeitraum» an der Raststätte Erstfeld für den Transport in die Turbinenhalle Unteraa bereitstellte.

Im sprühenden Feuer Nichts aber auch gar nichts überlässt er da dem Zufall. Auch wenn weitere Grossplastiken in die Retrospektive-Ausstellung gebracht werden, erkennt man dank genauen Bildern von Erich Langjahr noch deutlicher als seinerzeit an der Ausstellung - mit welch minutiöser Präzision dieser Künstler vorgegangen ist. Welche Erfahrungen, Gedanken, Ideen und Assoziationen sich hinter den Skulpturen oft wortwörtlich verstecken. Selber sprechen muss Sigrist schon deshalb nicht, weil dies - sehr gekonnt in den Film eingebettet - etwa Regierungsrat Franz Enderli, Theologe Friedhelm Mennekes oder Kurator Beat Stutzer beredter tun.

Für manchen Zuschauer das Highlight des Filmes dürfte die präzise, ja geradezu poetisch dokumentierte Entstehung der Skulptur «Behausung Imbach» in Nebikon sein. Begleitet wird da Sigrist nur noch von gekonnt gesetzten Tönen des Musikers Urban Mäder. Man sieht ihn beim Entwerfen im Atelier und während imposanter Arbeiten im sprühenden Feuer der Freiformschmiede Imbach & Cie in Nebikon. Schliesslich draussen im Naturraum, in den die Skulptur wie angegossen hineinpasst.

Ein interessanter Film. Vor allem aber ein Langjahr-Film mit allen Qualitäten, die man an Werken dieses Filmers so sehr schätzt.

Romano Cuonz, Obwaldner/Nidwaldner Zeitung 5.1.16

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Zwei Künstler, zwei Konzepte und ein unbestechliches Kamera-Auge

In Zeiten des Doku-Fast-Foods gehört Erich Langjahr einer aussterbenden Spezies an. Seine Filme verzichten auf spektakuläre Drohnenflüge oder geschmeidige Kamerafahrten rund um die Objekte seiner Betrachtung. Ebenso konsequent verweigert er sich der Masche des permanent pulsierenden Bildausschnitts, der «spontanes Draufhalten» suggerieren soll. Als Dokumentarist alter Schule glaubt Langjahr selbstverständlich auch keine Sekunde daran, dass sich das Filmpublikum schlagartig zu langweilen beginnt, sobald eine Einstellung länger als drei, vier Atemzüge dauert. Der Erfolg, der den Altmeister des Schweizer Dokumentarfilms begleitet, gibt ihm zweifellos recht.

Ein eher sprödes Thema
Bei der «Hirtenreise ins dritte Jahrtausend» (2002) und dem «Erbe der Bergler» (2006) kamen Langjahr allerdings die malerischen Landschaften zugute und jene wettergegerbten Gesichter, in die man gerne schaute. Interessante Köpfe, die etwas zu erzählen haben, finden sich auch seinem neusten Dokumentarfilm – doch im Kern dreht sich «Für eine schöne Welt» um ein eher sprödes Thema: nämlich, was Kunst ist und wozu sie eigentlich dient.

Eine mutige Themenwahl. Denn wer fragt sich schon, was der hochbetagte Maler und Bildhauer Gottfried Honegger heute so treibt als letzter Vertreter der «Zürcher Konkreten»? Oder was dem Bildhauer und Objektkünstler Kurt Sigrist durch den Kopf geht, während in der Freiformschmiede im luzernischen Nebikon eine seiner meterhohen Eisenplastiken Gestalt annimmt? Erich Langjahr fragt es sich – und er fragt es für seine Zuschauer, die er mitnimmt in Ateliers, in Galerien, in urbane Räume, mit auf Vernissagen und die sprichwörtliche grüne Wiese.

So oder so in Graubünden daheim
Wenn Langjahrs Film am kommenden Sonntag, 3. Januar, im Kino Chur Vorpremiere feiert, dann sicher auch deshalb, weil beide Protagonisten einen Bezug zu Graubünden haben. So gehört mit Kurt Sigrists «Behausung» eine der bedeutenden Eisenplastiken des Obwaldner Künstlers schon lange zum Bestand des Bündner Kunstmuseums. Und es ist niemand Geringerer als der langjährige Kunstmuseumsdirektor Beat Stutzer, der – unter dem wachsamen Kamera-Auge Langjahrs – die Sigrist-Werkschau in der Turbinenhalle Giswil eröffnet.

Noch enger ist Gottfried Honegger dem Kanton verbunden. 1917 in Zürich geboren, reicht dessen Verwandtschaftlinie mütterlicherseits direkt ins Unterengadin. Honeggers Mutter, eine gebürtige Margadant, wuchs in Sent auf, wo auch der junge Gottfried die ersten Lebensjahre verbrachte. Rätoromanisch war buchstäblich Honeggers Muttersprache. Darüber hinaus hat ihn die Engadiner Volkskunst – wie der heute 98-jährige Künstler in Langjahrs Film verrät – vermutlich stärker geprägt als alles Spätere. Mit Ornamenten verzierte Gebrauchsgegenstände, fantasievoll gestaltete Fassaden: All das sei dazumal selbstverständlich gewesen. Den Bezug zum Schönen im Alltag habe der Mensch erst mit der rasant fortschreitenden Industrialisierung verloren. Honegger – das macht der Film glaubhaft – setzt dieser ästhetischen Entwurzelung ein Konzept entgegen, das die Kunst zurück in den Alltag tragen will. Ob im öffentlichen Raum wie beim «Blauen Platz» vor der Universität Zürich-Irchel oder mit seinen plastischen und bildnerischen Werken, die Honegger aus strenger Geometrie heraus entwickelt.

Langjahrs Bewunderung für Honegger wird deutlich durch die ruhig abgefilmten Einlassungen des Künstlers. Sogar das letzte Wort im Film überlässt er ihm. Andererseits ist der zweite Protagonist dafür umso schweigsamer. Keinmal während der gesamten Dokumentation hört man Kurt Sigrist etwas sagen. Man sieht ihn beobachten, ja, man sieht ihn förmlich denken. Wenn etwas spricht, dann sind es (zumindest im übertragenen Sinn) Sigrists begehbare Installationen – und natürlich all jene, die in irgendeiner Form mit den Ausstellungen der beiden Künstler zu tun haben: Galeristen, Kuratoren und die Ausstellungsbesucher.

Geplauder hier, heiliger Ernst dort
Mitunter klingt es unfreiwillig komisch, was Langjahr am Rand dieser Anlässe mit der Kamera so einfängt. Galerie-Geplauder in Zürich beispielsweise oder in Giswil eine hemdsärmlige Politikerrede sowie das philosophische Geschwurbel eines deutschen Pfarrers, der – im Gegensatz zu Kurator Beat Stutzer – nicht viel Erhellendes zum Verständnis der Werke Sigrists beiträgt.

Die dramatischsten und zugleich bewegendsten Filmszenen sind jene in der Freiformschmiede, wo der rot glühende Eisenblock zwischen Hochofen und Ramme in Form gebracht wird. Unter den Augen von Künstler und Filmer gehen die Arbeiter mit heiligem Ernst zu Werke: hoch konzentriert, fachmännisch, schwitzend vor Hitze. Und all dies, damit am Ende etwas Schönes und Erstaunliches seinen Weg in die Welt findet.

Carsten Michels , Bündner Tagblatt 28.12.15

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Der Zürcher Gottfried Honegger ist einer der letzten Vertreter der konstruktiv-konkreten Kunst; die Skulpturen des Obwaldners Kurt Sigrist sprengen seit Jahren alle Normen. Nun hat der Filmemacher Erich Langjahr («Sennenballade», «Hirtenreise in dritte Jahrtausend»), dem einen so Freund wie dem anderen von Herzen verbunden, den beiden nachgespürt. Er hat ihre Werke und ihre Ideologie als Künstler in eine spannungsvolle Beziehung zu seinen eigenen Ansprüchen als Filmemacher gesetzt und stellt nun vor: FU¨R EINE SCHO¨NE WELT, einen visuell so verschmitzten und inhaltlich fesselnden Essay-Film, an dessen Kristallisations- punkt eine einzige, wichtige Frage auf- flammt: die nach dem Ort, den die Kunst in der heutigen schnelllebigen Welt findet, und welche Aufgabe ihrem Erleben noch zukommt.

Movie News

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Zwei Künstler vereint in der Sprache des Bildes

Der extrovertierte Gottfried Honegger will die Welt von seiner Kunst überzeugen. Der Obwaldner Bildhauer Kurt Sigrist dagegen ist der stille Schaffer. Der Filmer Erich Langjahr würdigt die beiden in der hervorragenden Dokumentation «Für eine schöne Welt».

Die Sinnfrage tönt einfach, ist aber tückisch. «Habe ich eine Geometrie, oder habe ich keine Geometrie?» Der Zürcher Konkrete Gottfried Honegger beschäftigte sich Zeit seines Lebens damit, und das dauert nun immerhin schon 98 Jahre. Der Filmschaffende Erich Langjahr lässt Honegger nun die Frage in seinem neuen Dokumentarfilm «Für eine schöne Welt» stellen. Für sich selbst hat Honegger wahrscheinlich die Antwort gefunden, nämlich im positiven Sinn — aber alle andern?

Wie auch immer: Langjahr präsentiert in seiner Filmdokumentation zwei führende Schweizer Gestalter. Hier der kommunikative Honegger, der «letzte Zürcher Konkrete», wie seine Etikette lautet, der seine Kunst obsessiv wie eine politische Botschaft vertritt. Da der zurückhaltende, stille Beobachter, der Obwaldner Bergler und Bildhauer Kurt Sigrist, der im ganzen Film kein Wort über sich oder sein Werk verliert - es soll für sich selbst sprechen.

Erich Langjahr setzt in seinem Film auf lange, ruhige Aufnahmen und lässt so den Zuschauer die Arbeiten dieser beiden gegensätzlichen Künstler nach und nach verstehen. Man zieht die Bilder förmlich in sich rein und hat am Schluss den Eindruck, einen neuen Zugang zu den beiden Meistern gefunden zu haben.

Honeggers klare Linie
Gottfried Honegger kam 1917 in Zürich Aussersihl zur Welt; er wuchs dort und im bündnerischen Sent auf. Honegger liess sich zum Grafiker ausbilden und stand in der frühen Nachkriegszeit unter dem Einfluss des Gestalters Johannes Itten, dem damaligen Direktor der Kunstgewerbeschule. Honegger scheint wie viele seiner Generation unter der helvetischen Enge gelitten zu haben; es zog ihn nach Frankreich, wo er einen grossen Teil seines Lebens verbrachte.

Mit seinen glasklaren und scharfen Linien wurde Honegger zu einem der führenden Vertreter der Zürcher Konkreten wie etwa Max Bill. Im Gegensatz zu Bill war Honegger jedoch stets politisch links engagiert. Er schloss sich eine Weile der SP an und gestaltete für die «Gruppe für eine Schweiz ohne Armee» (GSoA) ein Plakat. «Ich bin ein Linker, aber nicht im Sinn der Partei», sagt Gottfried Honegger heute und fügt abgeklärt bei: «Links oder rechts – heute ist alles gleich.»

Kann man so sehen oder auch nicht. Honegger hat vor allem eine künstlerische Botschaft, und diese ist ihm sehr wichtig, wie er im Film deutlich macht: «Kunst muss unseren Alltag bestimmen, denn sie regt zum Erfinden an.» Und: «Die Geometrie ist die Grundlage der Schönheit.» Wer solche Erkenntnisse zum Besten gibt, kann auf breite Zustimmung hoffen. Filmer Langjahr besuchte mit der Kamera die Vernissage einer Honegger-Ausstellung in Zürich. Da sieht man, wie sich eine ganze Schar von Verehrerinnen um den Betagten bemüht, der es sichtlich geniesst, mit seinem Stock im Mittelpunkt zu sitzen — und dazu strahlt wie ein Teenager.

Sigrists «Behausungen»

Schnitt. Filmer Langjahr entfuhrt in die Zentralschweiz. Man sieht den Obwaldner Raumgestalter und Objektkünstler Kurt Sigrist auf dem weitläufigen Gelände der Freiformschmiede Imbach & Cie in Nebikon LU. Er beobachtet, wie eine mechanische Zange einen glühenden Stahlblock aus einem Hochofen zieht und ihn verformt. In zahlreichen Arbeitsgängen entsteht eine menschenähnliche Stahlskulptur - nach den Plänen des 72jährigen Bildhauers. «Behausung» nennt er das markante Werk, das dereinst wie ein humanistisches Mahnmal in der Landschaft stehen wird. Sigrist sagt während der ganzen Arbeitsvorgänge nichts, nur die Facharbeiter tauschen kurze, prägnante Bemerkungen aus. Der Zuschauer spürt, hier sind Profis am Werk, künstlerische wie handwerkliche.

Die Kamera begleitet auch Kurt Sigrist an eine Vernissage, nämlich an eine Retrospektive seiner Werke in der Turbinenhalle Unteraa von Giswil OW. Hier wird der Künstler gefeiert wie ein lokaler Star mit regierungsrätlicher Ansprache und allem Brimborium. Die Vernissage-Besucher lustwandeln durch die begehbaren Skulpturen, allesamt «Behausungen in unterschiedlichen Formen», wie sie Sigrist nennt, und erkunden seine neuen Kunsträume in der Turbinenhalle. Er selbst scheint kaum präsent an dem Anlass, als ob ihm die ganze Aufmerksamkeit etwas peinlich wäre.

Gegensätze der Kunst

Sagt der Mann denn gar nichts? Eigentlich nicht, einzig die «Tagesschau» konnte ihm ein paar Worte zur gleichen Ausstellung entlocken: «Das Unvermögen eines Werks führt zum nächsten, um es besser zu machen, und weiter zum nächsten — das geht so bis zum Ende.» Da spricht ein Zweifler, ein Zurückhaltender, einer, der an das Perfekte glaubt, aber weiss, dass er es niemals finden kann.
Wie kommt Erich Langjahr dazu, zwei derart gegensätzliche Künstler im gleichen Film zu porträtieren? «So unterschiedlich ihre Persönlichkeiten sind, so gibt es für mich etwas, was die beiden vereint. Es ist das Ausdrücken mit dem Bild - die Sprache des Bildes», sagt Langjahr.

Rolf Hürzeler, Kulturtipp 2/16

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Wie hat sich ein Künstler in den zwei oder drei, bisweilen vier Dimensionen der Wirklichkeit zu orientieren, auch angesichts der zahllosen Materialien und verfügbaren Motive und vollends inmitten der Millionen Farbtöne, die von absolut Weiss reichen bis zu absolut Schwarz, sprich: von farblos zu farblos? So gut wie alles, was ihm etwas zu bedeuten hat in der Kunst, ob es Eigenes oder Fremdes, Neu- oder Urzeitliches sei, führt zum Beispiel jemand wie Gottfried Honegger auf die geliebte Geometrie zurück; sie soll alles Beginnen und Gelingen bestimmt haben, mahnt er, selbst in vergangenen Epochen, noch bevor die Zeichner, Maler und Bildhauer ahnen konnten, was für einem mysteriösen Zauber sie dabei unterlagen.

Zeitlos unsichtbar, wie die Formen und Definitionen, die Längen-, Tiefen- und Breitenverhältnisse sind, sie teilen und verteilen in Honeggers Verständnis alle Fläche und sämtlichen Raum; und erst damit kommt zutage, wie viel an geometrischer Vorsorge in jeder scheinbaren Leere drin verborgen ist. Persönlich nennt es Honegger das, was hinter aller Kunst steckt; und dementsprechend weiss er jede Praxis auf eine einleuchtende Theorie zu stützen und umgekehrt. Letztlich scheint er zu bezweifeln, ob die hervorgebrachten Entwürfe und Gebilde überhaupt Bestand haben können ohne eine Klärung ihrer Herkunft. Mehr noch, seiner Überzeugung nach geraten die Be- und Umschreibungen, die Ab- und Herleitungen zu einem unabdingbaren Teil dessen, was da als ein Ganzes kreiert wird. Oder erzeugt sich das ­Resultat wie von allein und benutzt den Ausführenden nur als Mittler? Immerhin ist das gleichsam Selbsttätige beim Zustandekommen von Ergebnissen oft beschworen worden, bestimmt in der legendären écriture automatique der Surrealisten; das Geschriebene, meinten sie, verfasse sich aus eigenem Antrieb.

Mit 98 Jahren vermag Honegger genügend an verbaler Gewandtheit vor Kamera und Mikrofon zu demonstrieren, und er weigert sich offenbar, ausführliche Interpretationen als didaktische Verbrämung abzutun. Von daher wirkt er entschlossen, jedermann entgegenzutreten, der versichert, wahre Kunst spreche schon selber zu ihren Gunsten, ohne Beihilfe einer siebengscheit darüber ausgebreiteten Deutung. Kritiker und sonstige Senfzugeber freilich sind wohl selten auf der Höhe der notwendigen Erläuterungen, wie Honegger sie auffasst und abgibt.

Eine Generation jünger, schweigt Kurt Sigrist die meiste Zeit über, auch darum, weil er so dringend beschäftigt ist wie ein Handwerker. Zudem zieht er es vor, Segen und Ermunterung von berufeneren und beredteren Fürsprechern erteilen zu lassen. Während Honegger die Mobilität sucht und die zwei Dimensionen vorzieht, um dann eine dritte mittels Kommentar hinzuzugeben, arbeitet Sigrist überwiegend ortsfest und von Anfang an in drei Dimensionen; er repräsentiert wohl das, was im weitesten Sinn unter einem Plastiker zu verstehen ist. Anders gesagt, arbeitet er weniger mit dem eleganten Stift oder Pinsel, um stattdessen aus dem groben, schweren Material herauszuschuften, das förmlich geschleppt und gebändigt sein will. Vornehmlich besteht es aus frisch umgegossenem Metall, anfangs noch heiss und glühend; und damit bestimmt der Handwerkstoff gleich mit, welches die Farbe des entstehenden Gebildes sein wird. Statt flink über ein flaches Rechteck zu gleiten, heisst das, greift und entwirft der Künstler quer durch den Raum, den er ins Auge gefasst hat; und dabei muss er ihn auch in all jenen Teilen mitgestalten, die noch unbelegt sind und die es bleiben sollen.

Jedes breitere und tiefere Ausmass, das sich vor ihm auftut, kommt Sigrist klassisch wie ein aufzufüllendes Vakuum vor. Die Leere lockt und ruft, darin die Objekte ihren Platz zu finden haben, um sich millimeterscharf ins Verhältnis zu den noch offenen Abständen zu fügen. Denn was wäre schon der Raum, ohne jeden sprichwörtlichen Zwischenraum hindurchzuschaun? Soll das Auge beweglich und lenkbar sein, sodass sich das Licht gleich mit steuern und streuen lässt, dann hat der Blick sich teils verstellt, teils freigegeben zu sehen. Mehr als die Betrachter auf Distanz halten muss das Kunstwerk sie umschliessen, einbeziehen und in sich fassen; temporär bereichern sie das Arrangement um eine mobile Zugabe.

Auf eines ist Erich Langjahr keinesfalls aus: die beiden kreativen Deutschschweizer, Honegger und Sigrist, im selben Film gegeneinander auszuspielen oder etwa gar am Beispiel des einen zu argumentieren, der jeweils andere irre sich. Auch liegt es dem Autor fern, die Erzeugnisse, seis allein die des einen, seis nur die des andern, zu wahrer Kunst zu erheben. Anhand der ungleichen zwei veranschaulicht Für eine schöne Welt vielmehr, von ihren fundamentalen Gegebenheiten her, die gesamte Disziplin: die Masse und die Massen. Leichthin führt die Dokumentation auftretende Gegensätze zusammen, egal welcher Art.

Im Stadtbewohner, der pausenlosen Betrieb gewohnt ist, ermittelt der Filmemacher den Liebhaber der Dichte, der Vielzahl und der viel erbetenen und erteilten handschriftlichen Signaturen; entsprechend genügt Honegger eine überblickbare Bildfläche mit ihren knappen Rändern, selbst wenn sie sich dehnt wie ein öffentlicher Platz von Zürich, der dem beauftragten Künstler freilich vorgegeben wird und sich höchstens noch ausschmücken lässt.

Hingegen tritt in der Person des wortkargen voralpinen Landbewohners Sigrist der radikal andere Macher hervor. Er benötigt die ungerahmte Substanz, die mit Händen, Handschuhen und mechanischen Hebehilfen zu packen und zu verschieben ist, so sehr wie die Luft zum Atmen, in die das Resultat eintaucht. Allerdings gerät dann jedes einzelne Werk, zufolge der sich ausweitenden Vorgaben, zunehmend wuchtiger, gewichtiger und breiter ausgelegt. Denn was Raum beansprucht, wird ihn dauerhaft okkupieren wollen, samt den offen gebliebenen Lücken.

Für eine schöne Welt belegt erneut, wie Erich Langjahr bei seinen Leisten zu bleiben versteht. Verlässlich der Innerschweizer und der engen Landesgegend treu verbunden, findet er in den vier Waldstätten immer wieder Themen, Motive und Figuren: rund um den mehrarmigen See herum oder nur wenig darüber hinaus, bis auf ein paar Ecken der nahen Stadt Zürich. Seit bald vierzig Jahren wird dabei aller touristische Heimatkitsch tunlichst vermieden. Kaum ein anderer Schweizer Filmemacher repräsentiert so beharrlich wie Langjahr das, was die Franzosen milde herablassend den Regionalismus nennen. Gemeint ist damit eine Beschränkung auf das Naheliegende, wie es etwa die Literatur anstandslos duldet, während es auf der Leinwand verpönt scheint. Von einem Cineasten wird im Minimum erwartet, er habe die verschiedenen Gegenden seines Landes quer zu durchmustern. Möglichst aber soll er rund um den Erdball operieren, um bitte sehr Exotisches herbeizukarren. Von daher ist der Titel Für eine schöne Welt mit ironischem Bedacht zu lesen. Lasst die Kollegen getrost nach den vier Winden schnuppern, Langjahrs Geräte hecheln keinen Reisefreudigen hinterher. Und zurück nach Hause kommen die Globetrotter sowieso immer.

Pierre Lachat, Filmbulletin 1/2016

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«Ausdruck meiner Innerschweizer Identität»

Im Jahr 2012 erklärten Sie bei «Mein erster Berg – Ein Rigi Film», dieser Film sei ihre letzte filmische Betrachtung der ländlichen Schweiz. War für Sie damals schon klar, in welchem Bereich sich Ihr nächster Film bewegen würde?
Nein, das wusste ich nicht. Das Thema ‹Für eine schöne Welt› ergab sich aus meiner Bekanntschaft mit den beiden Künstlern. Ich bin seit meiner Jugend mit der Kunsthistorikerin Roxana Pirovano Malmberg von der Galerie Pro Arta in Zürich befreundet, wo ich 1997 Gottfried Honegger kennen lernte. Zur Vorbereitung einer neuen Ausstellung von ihm durfte ich ihn mit der Kamera in sein Atelier begleiten. Mit Kurt Sigrist bin ich freundschaftlich verbunden. Anlässlich seines 70. Geburtstags veranstaltete sein Heimatkanton Obwalden eine Retrospektive in der grossen Turbinenhalle in Giswil, wo ein Querschnitt von seinem Werk ausgestellt wurde.

Beide Künstler sind mit zahlreichen Werken im öffentlichen Raum vertreten, einige davon erscheinen im Film. Doch die Polemiken, die solche Werke ja oft auslösen, erscheinen nur in einem ganz kurzen Sketch. Warum?
Mein Anspruch ist das Poetische im Film. So ist ‹Für eine schöne Welt› vor allem ein Filmerlebnis, so wie in meinen früheren Filmen. Ich möchte über das Erlebte, die Bilder im Film, beim Zuschauer eigene innere Bilder provozieren und so eine Reflexion über deren Bedeutung ermöglichen. Auf diese Weise ist die Polemik in der Rezeption des Filmes angelegt. Mich interessiert, was nonverbal Ausdruck findet.

Ihre früheren Filme zeigten eine bäuerliche Welt, die am Verschwinden ist. Mit Gottfried Honegger, der nächstes Jahr 99 wird, steht ein Mann mit im Zentrum, der an einer Stelle sagt, wir hätten heute keine Kultur mehr und hätten unsere Seele verloren. Sehen Sie da eine direkte Verbindungslinie?
Ja, das sehe ich so. Die Urbanisierung des Ländlichen schreitet weltweit voran. Das städtische Denken beherrscht die Welt. Der Markt bestimmt alles, und so verliert das Land laufend. Letztlich verliert nicht nur das Land, sondern auch das Bäuerliche in uns allen, das ja in unserer Seele als Vernunft angelegt ist. Im Film spricht Honegger von den Bauern im Engadin: ‹Früher hatten sie eine innere Geometrie, die spürten, wenn etwas nicht gut ging, wenn das Heu nicht gut war. Sie brauchten keinen Arzt, spürten, wenn die Kühe krank waren. Das heisst, sie waren Teil der ganzen Schöpfung. Das sind wir nicht mehr, wir müssen es wieder werden, wir können es wieder werden, wenn wir die Geometrie, wenn wir die Logik, wenn wir die Mathematik, wenn wir die Zahl wieder ernst nehmen.

Und Kurt Sigrist wird vom Obwaldner Regierungsdirektor dafür gelobt, dass er im Land geblieben ist. Das trifft auch auf Sie zu. Zufall?
Auch ich bin einer der hier geblieben ist. Alle meine bisherigen Filme sind Ausdruck meiner Innerschweizer Identität. Ich sehe mich selber aber auch als Weltbürger. ‹Für eine schöne Welt› ist mein Versuch, das Leben zu verstehen, den Menschen zu verstehen und letztlich mich selbst zu verstehen, in dem was ich tue. Und was tun meine Mitmenschen?

Die Faszination für das Handwerkliche, für das Herstellen von Gegenständen, steht im letzten Teil des Filmes im Mittelpunkt. Sehen Sie das als bewusste Verbindung zu Ihren früheren Filmen?
Der arbeitende Mensch ist in all meinen Filmen ein zentrales Thema. Ich schaue gerne in das Gesicht eines arbeitenden Menschen. Mich interessiert die tätige Hand, die Hand am Werk. Wie etwas beim Bearbeiten entsteht unter dem Blick des tätigen Menschen, ob Bauer oder Künstler. Das Geheimnis Arbeit vereint uns alle.

Auch wenn Sie in Ihrem neuen Film mit Gottfried Honegger aus der Innerschweiz hinaus und nach Zürich gehen, spielt sich der Film doch mehrheitlich in der Innerschweiz ab. Werden Sie auch in Zukunft weiterhin hier Ihre Sujets finden?
Es ist naheliegend, in seiner Umgebung ein Thema zu finden, etwas zu erzählen aus dem Umfeld, das man kennt. Ich lege mich aber ungern fest. Ich breche auch gerne auf in unbekannte Welten.

‹Für eine schöne Welt› ist zwar über weite Strecken ein eher wortlastiger Film – gerade wenn man mit «Mein erster Berg» vergleicht, der ohne Dialoge auskam – trotzdem spielt die Musik eine eminent wichtige Rolle. Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit mit den beiden Musikern Urban Mäder und Christian Hartmann?
Eine eigenständige Musik mit meditativem Charakter ist mir wichtig im Sinne einer zusätzlichen Wahrnehmungsebene. So wie das Sehen in der konkreten Kunst zu einem kreativen Akt wird, soll die Musik einen Rahmen schaffen, die dem Zuschauer seine eigene Tonentdeckung erlaubt. Urban Mäder, den ich schon länger kenne, hat mir diese Musik angeboten. Sie wird von ihm gespielt auf einem Flügel, der mit Schrauben, Bolzen, Muttern und Gummi- und Holzstückchen präpariert ist. Der klassische Flügelklang wird so verändert und hört sich ähnlich wie ein Schlagzeug an. Dazu spielt Christian Hartmann auf einem barocken Kontrabass von 1824. Die Vorgabe hierfür ist von John Cage, einem amerikanischen Komponisten, der die Musik revolutionierte und Schüler von Arnold Schönberg war, dem Erfinder der Zwölftontechnik.

Interview: Geri Krebs, Zuger Presse – Zugerbieter 13.1.1

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«Wenn ich filme, bin ich ein Erlebender»

Erich Langjahr äussert sich im Gespräch über seine Arbeitsweise und die Protagonisten Gottfried Honegger und Kurt Sigrist.

Herr Langjahr, Ihr neuer Film trägt den Titel «Für eine schöne Welt». Was bedeutet er für Sie?
Erich Langjahr: Ich habe einen Film zu dem Thema gemacht, und für mich ist es interessant, was das Erlebnis dieses Films dann für Möglichkeiten zur Reflexion bietet. Die Antwort bedeutet für jeden Zuschauer etwas Eigenes, die möchte nicht ich als Filmgestalter geben. In dem Sinne regt der Film an, darüber zu reflektieren. Genauso wie es die Künstler machen mit dem, was sie der Welt entgegenstellen.

Es gibt im Film einen spannenden Gegensatz – Gottfried Honegger spricht ausführlich über sein Werk und die Kunst im Allgemeinen, Kurt Sigrist hingegen äussert sich gar nicht und lässt sozusagen nur sein Werk sprechen. War das so geplant?
Nein. Aber es ist immer so, dass sich über die filmische Arbeit, über die Annäherung an den Künstler, etwas so oder anders darstellt. Es ist klar, Gottfried Honegger hat eine Botschaft, wenn er spricht. Aber er erklärt ja nicht nur einfach so, sondern er ist ein sehr charismatischer und beseelter Mensch. Man schaut ihm gerne zu, wenn er spricht. Er kann seine Gedanken in eine sehr verständliche Sprache hüllen.

Bei Kurt Sigrist ist es umgekehrt. In dem, was er macht, drückt er auch etwas aus, das tief in uns drin ist: das Handwerkliche. Man schaut fasziniert zu, wie mit Kopf und Hand etwas entsteht. So ist dieser Gegensatz entstanden.

Aber war das ein bewusster Entscheid, dass Kurt Sigrist sich gar nicht äussert?
Nein. Wenn ich filme, bin ich ein Erlebender. Meine Regie basiert nicht auf dem Eingreifen. Ich gehe nicht mit einer Vorstellung an die Leute ran und sage ihnen, was ich will. Es funktioniert bei mir genau umgekehrt. Ich erlebe mit der Kamera. So entsteht viel Material, dessen Bedeutung ich später analysiere und nach der inneren Logik montiere. Es ist vergleichbar mit einem Puzzle, das man ohne den Schachteldeckel bekommt, auf dem das Bild drauf ist. Ich habe alle Teile und weiss, dass sie irgendwie zusammengehören und es am Schluss ein Bild geben muss. Dann beginne ich mit dem Zusammensetzen, denn ich weiss, dass in diesem Material die Geschichte meines Films enthalten ist.

Sie kennen beide Künstler schon länger. Wie entstand ursprünglich die Idee, mit den beiden einen Film zu machen?
Ich kenne die Galeristin Roxana Pirovano Malmberg seit meiner Jugend. Sie ist eine enge Vertraute von Honegger, der schon oft in ihrer Galerie ausgestellt hat. Über sie habe ich ihn vor mehr als 20 Jahren kennengelernt. Als er vor zwei Jahren wieder eine Ausstellung bei ihr hatte, sagte sie: «Es wäre doch toll, dies aufzunehmen.» Das tat ich dann, dachte damals aber noch nicht an einen Film.

Kurt Sigrist kam also erst später dazu?

Ja. Im gleichen Jahr wurden zum 70. Geburtstag von Kurt Sigrist, mit dem ich ebenfalls schon länger freundschaftlich verbunden bin, alle seine teilweise sehr grossen Objekte für eine Jubiläumsausstellung in der Turbinenhalle in Giswil gezeigt.

Da war es genau gleich. Er hat zu mir gesagt: «Die Schwertransporte müsste man eigentlich filmen. Wie die riesigen Objekte mit dem Lastwagen an den verschiedenen Standorten abgeholt werden.» Das war der zweite Teil, den ich drehte. Natürlich merkte ich als Autorenfilmer, dass dies zusammen einen Film ergeben könnte. Aber bis es dazu kam, war es ein langer Prozess. Es dauerte noch einmal zwei Jahre – inzwischen hatte sich viel Material angestaut –, bis ich es wagte, daraus einen Film zu machen.

Honegger spricht sich für eine Gesellschaft aus, die der Kunst und allgemein der Kultur wieder einen höheren Stellenwert einräumt. Stimmen Sie dem zu?
Diese Vorstellung von ihm ist eine Fiktion, die ich mit ihm teile. Ich denke, die meisten meiner Mitmenschen tun dies auch. Letztlich geht es darum, an die Veränderbarkeit der Welt zu glauben.

Interview: Rico Steinemann. Zürcher Oberländer 14.1.16

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Geometrie des Raumes

Ein Schweizer Film porträtiert die Künstler Gottfried Honegger und Kurt Sigrist

Mit zahlreichen Dokumentarfilmen wie «Männer im Ring», «Hirtenreise ins dritte Jahrtausend», «Das Erbe der Bergler - Alpine Saga» hat der Filmemacher Erich Langjahr seit den frühen 90er-Jahren die ländliche Schweiz erkundet. Er begab sich auf die Spur von Bauern, Hirten, Sennen und Schwingern und dokumentierte, wie sie heute ihre Berufe leben. Mit seinem neuen Film «Für eine schöne Welt» öffnet sich der 71-jährige Filmemacher der Welt der Kunst. «Für eine schöne Welt» nähert sich behutsam dem Denken und Schaffen der beiden Künstler Gottfried Honegger und Kurt Sigrist. Honegger, inzwischen schon über 98 Jahre alt, ist der letzte Vertreter der Zürcher Konkreten. Langjahr zeigt den gross gewachsenen, noch immer rüstigen Mann in seinem Atelier und an einer Vernissage, wo er den beschwörenden Ton der Vernissagegäste einfängt, die von der Poesie dieser Bilder schwadronieren, deren Geometrien über alles loben und letztlich nichts anderes zum Ausdruck bringen als ihre Sprachlosigkeit angesichts dieser Bilder.

Der Filmemacher hat den betagten Künstler zu mehreren Gesprächen getroffen und lässt ihn über Kunst im Allgemeinen und seine Bilder im Besonderen sprechen. Für Honegger ist Kunst eine elementare Ausdrucksform. Künstlerische Äusserungen haben laut Honegger den Menschen erst eigentlich konstituiert, was in den Höhlenmalereien von Altamira gezeigt werden kann, aber auch bei Kleinkindern feststellbar ist, deren Zeichnungen viel von ihrem Weltverständnis vermitteln.

Während Honegger sozusagen der Talking Head dieses Filmes ist, sagt der 72‑jährige Obwaldner Bildhauer Kurt Sigrist kein Wort und lässt ganz und gar seine Kunst sprechen. Wir begleiten ihn auf eine Vernissage in die Turbinenhalle Unteraa im Kanton Obwalden, wo seine gross dimensionierten Raumobjekte ausgestellt sind. Sie werden von Rednern vielstimmig gewürdigt und von den Besuchern «begangen».

Heizen, kneten, sägen

Auch in der Turbinenhalle hat die «Aneignung» der Kunstwerke durch das Publikum etwas unfreiwillig Komisches, jedenfalls für den unbeteiligten Betrachter, der sieht, wie jemand sich an eine Skulptur heranschleicht, eine Klappe öffnet, in der Skulptur verschwindet und ungerührt, ohne sich etwas anmerken zu lassen, wieder herauskommt, sich duckt, um in ein Loch zu schauen, um dann wieder aufzustehen und weiterzuwandeln, als ob nichts gewesen wäre.

Der filmische Höhepunkt von «Für eine schöne Welt» ist die Herstellung einer riesigen Eisenskulptur in der Freiformschmiede Imbach & Cie, Nebikon. Hier entsteht aus riesigen, säulenförmigen Eisenrohlingen eine menschenähnliche Figur mithilfe eines Hochtemperaturofens und mächtiger Zangen, die imstande sind, tonnenschwere Eisenbrocken in Form zu bringen. Es ist eine Arbeit von Spezialisten der Eisenbearbeitung, die den Künstler, der selbstverständlich die Entwürfe dazu gemacht hat, weitgehend aussen vor lässt.

Die Präzision der Arbeiten in der Freiformschmiede, die ja per definitionem nicht mit Gussformen arbeitet, ist ein Faszinosum eigener Art. Und als dann, nach tagelangem Heizen und Kneten und Sägen, die Figur vor der Schmiede am Rand einer Wiese steht, so schwer und monumental auf der einen Seite und so zufällig geformt und beinahe organisch auf der anderen, kann man nur sagen: Es war gut.

Christoph Heim, Basler Zeitung, 15.1.16