Mein erster Berg – ein Rigi Film

Schweiz 2012. DCP 16:9, Farbe, 97 min.

Mein erster Berg – ein Rigi Film Mein erster Berg – ein Rigi Film Mein erster Berg – ein Rigi Film affiche

Nach all den Bergfilmen, die ich gemacht habe, bildet «Mein erster Berg» den Abschluss meiner filmischen Betrachtung der ländlichen und alpinen Schweiz.

Ich bin am Tor zur Innerschweiz aufgewachsen mit Blick auf die Rigi. Seit meiner Kindheit hat mich die mächtige Kulisse dieses Berges beeindruckt. Albrecht von Bonstetten, Dekan des Klosters Einsiedeln, hatte 1480 die Rigi als Zentrum der Welt definiert. Als Zeitzeuge von heute gehe ich im Film «Mein erster Berg» diesem Zentrum nach.

Auch für den Älpler Märtel Schindler ist die Rigi sein erster Berg. Er ist dort aufgewachsen und lebt und arbeitet wie schon seine Vorfahren an diesem Tourismus- und Freizeitberg. Ich versuche in diesem Film die Mitte auszuloten, die Mitte einer Landschaft und die Mitte eines Lebensbildes. Dies auch im Sinne eines Zeitbildes aus der Mitte der Schweiz.

RegieErich Langjahr
MitwirkendeRigi Älpler Märtel Schindler und andere
KameraErich Langjahr
TonSilvia Haselbeck
SchnittErich Langjahr
MusikHans Kennel mit Betty Legler, Andreas Ambühl, Hans Hassler, Marc Unternährer und anderen
MitarbeitSilvia Haselbeck: Kamera- und Schnittassistenz
Tonschnitt, Mischung: Guido Keller
Plakat: Art Ringger
Dauer97 min.
FormatDCP 16:9
VerleihversionenSchweizerdeutsch / deutsch untertitelt / english subtitles / sous-titres français
Verkauf DVD/VideoDVD  [Bestellen]
ProduktionLangjahr-Film GmbH, Luzernerstrasse 16, CH-6037 Root
Tel. +41-41-450 22 52 – Fax +41-41-450 22 51
E-mail: info@langjahr-film.chMitteilung sendenwww.langjahr-film.ch
WeltrechteLangjahr-Film GmbH
Verleih Schweiz
und international
Langjahr-Film GmbH, Luzernerstrasse 16, CH-6037 Root
Tel. +41-41-450 22 52 – Fax +41-41-450 22 51
E-mail: info@langjahr-film.chMitteilung sendenwww.langjahr-film.ch
UraufführungRelease 2012
FestivalsSolothurner Filmtage 2013
Leipzig Internationales Dokumentarfilm-Festival 2012
Zürich Film Festival 2012
Würzburg Internationales Filmfestival 2013
Buenos Aires Festival Int. de Cine Indépendente (BAFICI) 2013
Toronto Canada Hot Docs im Doc Shop 2013
Trento Trento Film Festival Montagna - Società - Cinema - Literatura 2013
Lima Peru Festival: TRANSCINEMA 2013
Ludwigsburg (DE) NaturVision Filmfestival 2013
Pontresina 2. Swiss Mountain Film Festival 2013
St. Gerold, Walser Herbst 2014
Freistadt 25. Filmfestival Freistadt "Der neue Heimatfilm" 2013
Tegernsee 11. Int. Bergfilm-Festival 2013
Eberswalde 10. Filmfest 2013
Brig Multimediafestival BergBuchBrig 2013
Trieste 14. Alpi Giulie Film Festival 2013
Mexico: Post - TRANSCINEMA 2014
Chandannagar India - 23. Int. adventure film festival 2013
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Suisa-Nr.1009.120

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Pressestimmen

Zitate

Mein erster Berg schafft es einen Spannungsbogen aufrecht zu erhalten, der schlicht grossartig ist. Nur ein so erfahrener Cineast wie Erich Langjahr konnte es wagen, einen formal so radikalen Film zu machen und dabei keinen Moment lang zu langweilen.
cineman.ch, Geri Krebs

Liebevoller und meditativer Blick auf die Rigi – Regard affectueux et méditatif sur le Rigi.
Biel/Bienne, Mario Cortesi

Je länger «Mein erster Berg» dauert, desto intensiver wird er. Erich Langjahr ist der Clint Eastwood des Schweizer Dok-Films.
Christian Jungen, NZZ am Sonntag

Dies ist ein sehenswerter Dokumentarfilm, der fasziniert... Ein wichtiges Werk.
outnow.ch, Christoph Schelb

Wie beschreibt man einen Berg? Erich Langjahr tut dies vor allem fern jeder Folklore. Seine Rigi ist poetisch und konkret.
Forum, Charles Martig

Erich Langjahr schenkt uns einen Aufbruch ­ zu uns, in unser Zentrum.
Der Bund, Fred Zaugg

Der Film präsentiert uns die Welt in Nahsicht, mit einer grossen entschleunigten Weitsicht.
TagesWoche (Basel)

Zwischen dokumentarischem Erzählen und filmischer Meditation ragt die Rigi wie ein Mahnmal in die hektische Gegenwart hinein.
Stefan Volk, Berner Zeitung

Ohne jeden Mahnfinger oder penetranten Kommentar, macht er aus der »Reportage» eine vollgültige Erstbesteigung. So haben wir’s nie gesehen, und hat es keiner umfassend zu zeigen gewagt.
Filmbulletin, Pierre Lachat

Wieder vereinen sich Präzision und Seele. «Mein erster Berg» gerät zu einer Hymne auf das, was uns (auch in einer säkularisierten Welt) heilig ist – und auf die Schweiz, diesen wunderlichen, fernen Planeten.
DOK Leipzig, Grit Lemke

Mein erster Berg von Dokumentarfilmaltmeister Erich Langjahr ist eine bildgewaltige Berg-, Handwerker- und Alphornklangmeditation über das Zentrum der Welt.
Leipziger Volkszeitung online, Juliette Guttmann

Es ist ein echter Ich-Film über Langjahrs Liebe für eine innerschweizerische Bergkette namens Rigi... Er findet tolle Bilder und eine Geschichte, die uns am Ende sein Gefühl für die Rigi mit ihm teilen lässt.
www.dokumentarfilm.info, Thomas Schneider

Langjahrs Kino hat sich schon immer durch ruhige Bildgeschichten ausgezeichnet. Seine sinnlichen Bilder laden das Publikum nicht nur dazu ein, sich eigene Gedanken zu machen, vielmehr ist die Montage subtil darauf angelegt, Zusammenhänge, Abhängigkeiten und Widersprüche sichtbar zu machen.
Andreas Stock, St. Galler Tagblatt        Lesen...

Langjahr geht stets von der Idee aus, dass in den kleinen Dingen die Welt an sich zu finden ist und dass in der Betonung des Details, in der Konzentration darauf, was geringfügig erscheint, oft mehr gezeigt und erklärt werden kann.

primordiales BAFICI Buenos Aires

Radiobeiträge

Erich Langjahr im Tagesgespräch mit Urs Sigrist (Radio DRS 1, 12.12.2012)

Fernsehbeiträge

Sceenshot
     SRF Beitrag «10 vor 10»

Interview mit Erich Langjahr in art-tv.ch (Ruth Baettig, 4:50)


Liebevoller und meditativer Blick auf die Rigi.

Der 69-jährige Erich Langjahr ist der Entdecker der filmischen Langsamkeit. Und gleichzeitig der sorgfältigste Dokumentarist helvetischer Traditionen in der ländlichen oder alpinen Schweiz. Ob «Sennen-Ballade», «Männer im Ring» oder «Hirtenreise ins dritte Jahrtausend» (Schweizer Filmpreis 2003): Immer geht der Autodidakt Langjahr liebevoll und subtil ans Werk. Auch bei seinem bevorzugten Berg, der Rigi, merkt man sofort, dass ihn dieses trutzige Massiv immer beeindruckt hat, dass er mehr machen wollte, als ein handelsübliches Porträt über einen Berg. Ist es wichtig, dass Mark Twain, Victor Hugo, Dumas, Goethe, William Turner, Tolstoi oder Ludwig Il. den Berg bestiegen, besungen oder gemalt haben? Ist es nicht viel bedeutsamer, in ein gegenwärtiges Zeitbild zu steigen, die Rigi als Arbeitsort, aber auch als pure Natur zu zeigen?

Vorfahren. In diesem Film gibt es keinen Kommentar. Kaum Dialoge. Da sind einfach Bilder. Bilder, die für sich sprechen, keine Erklärung brauchen. Der bärtige und stämmige Älpler Märtel Schindler stapft als Hauptfigur durch den Film, fällt Bäume an der Rigi, zersägt die Stämme, mischt Beton, baut ein Blockhaus am Hang des Berges. Er verlegt aber auch die Schienen der Rigi-Zahnradbahn. Er schlägt die mächtigen Zaun-Pfähle ein für die Abschrankung auf den Weiden nahe des Abgrunds. Er verschiebt eine Geissherde auf die unteren Matten, er ist beim Alpaufzug dabei. Auch für Märtel Schindler ist die Rigi der erste Berg. Er lebt und arbeitet dort wie schon seine Vorfahren. Und mit dem Feldstecher blickt er lange hinunter in die Stadt, dort, wo die globalisierte Welt mit ihren Betonmonumenten die Natur verdrängt.

Wir erleben zusammen mit Mädel Schindler Winter, Frühling, Sommer und Herbst an den Hängen dieses wuchtigen Innerschweizer Berges. Für den Filmer Erich Langjahr gibt es keine Hast, keine Hektik, keine schnellen Schnitte. Die Langsamkeit dominiert. Sogar ein Schwingkampf dehnt sich als wäre es ein Zeitlupen-Ballett. Man muss seine langen Einstellungen fühlen, ein Sensorium dafür haben. Es ist meditatives Kino. Heute eine Seltenheit. Leider.

Mario Cortesi, Biel/Bienne

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Ein stummer Schrei

Meditative Erkundungen über den Zustand der Zivilisation

Bei Erich Langjahr dreht sich alles um seine Heimat, die ländlich-alpine Schweiz, deren äußere und innere Metamorphosen er in ebenso leisen wie lebensklugen Filmen dokumentiert.

„Männer im Ring“ (1990), „Bauernkrieg“ (1998) oder „Hirtenreise ins dritte Jahrtausend“ (2002) sind subtile Beobachtungen einer Zeitenwende, der Reibung zwischen Tradition und Moderne. Langjahrs meditative und dabei sehr konkret erfasste Bilderwelten, frei von romantisch-folkloristischer Traumseligkeit, zeigen, wie das Alte dem Neuen weicht, was davon vielleicht erhalten bleibt oder auch ganz und gar unkenntlich wird. Es sind Filme, die, ohne zu klagen, die Augen öffnen für das, was sich seinem Ende zuneigt, und das, was an seine Stelle tritt. Sie fragen nach dem Kern des Verschwindenden, den Ursprüngen allen Seins und danach, wie weit sich das Kommende von diesen Wurzeln zu entfernen droht. Ein cineastisches Œuvre, das zur sozialen, soziologischen, auf jeden Fall aber poetischen Chronik der Ereignisse gerinnt.

Auch „Mein erster Berg“ kreist auf sehr persönliche Weise, um dieses Thema. Der Rigi, das Felsmassiv am Tor zur Innerschweiz, das auf einer alten Karte einst sogar zum Zentrum der Welt erklärt wurde, war der Berg seiner eigenen Kindheit: In dessen Nähe wuchs Langjahr auf; dessen Bewohner stellten das Universum seiner Jugend dar. Märtel Schindler, der Holzfäller und Bauer, dem der Film quer durch alle vier Jahreszeiten folgt, ist gleichsam der letzte Vertreter dieser fast vollendeten Vergangenheit. Auf seinem Gesicht hat die Natur Falten wie Jahresringe im Stamm eines Baumes hinterlassen; die Kamera erfasst das ebenso sachlich und kommentarlos wie die Arbeitsvorgänge: das Fällen der Bäume, das Schälen der Rinden, den Bau eines Blockhauses, den Auftrieb der Kühe, das Einschlagen der Pflöcke eines Weidezauns im felsigen Boden, das Auswechseln von Bahnschwellen an der Rigi-Bergbahn. Körperliche Schwerarbeit, die nur zum Teil durch moderne Technik gemildert werden kann. Dazu, auf der Tonebene, eine Sinfonie der Säge-, Klopf- und Schleifgeräusche, des Hämmerns und Baggerns, des Geläuts der Kuhglocken, der Tierstimmen, des Windes.

Doch der Film ist nicht nur das entschleunigte Porträt des arbeitsamen, der Tradition verhafteten, mit seiner Umwelt fest verwachsenen Berglers. Gegen Schluss schieben sich mehr und mehr auch Szenen von der anderen, der touristischen Seite des Rigi in die Bilder des Schindlerschen Alltags. Seit langem ist der Berg einer der beliebtesten Ausflugsziele der Schweizer, mit zunehmend größeren Hotel- und Liftanlagen; im Abspann ist die Chronik der touristischen Erschließung und der damit verbundenen Sünden seit dem 19. Jahrhundert penibel aufgelistet.

Langjahrs Bilder vom Neubau eines überdimensionalen Mineralbads sprechen, ohne dass dies verbal betont zu werden braucht, Bände über die von der Mehrheit seiner Landsleute zumindest schweigend hingenommene Verwandlung, ja Zerstörung der Natur. In den letzten Einstellungen des Films lösen Bergsteiger eine riesige Schweizer Flagge, die an der Steilwand des Rigi angebracht worden war, wieder vom Fels. Das weiße Kreuz ist schon weg; was bleibt, ist ein breiter Streifen vom roten Stoffuntergrund. Aus der Totale wirkt dieses leuchtende Rot wie eine tiefe, klaffende Wunde, ein stummer Schrei. Vermutlich hat Langjahr jenes Bild auch genau so gemeint.

Ralf Schenk, FILMDIENST 21/2013

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Leben im Schatten der Rigi

Erich Langjahr betreibt in der Schweiz filmische Ethnologie: „Mein erster Berg“ Der Älpler Märtel Schindler spricht nicht viel, sondern packt an.
Um diesen Film bin ich herumgeschlichen wie der sprichwörtliche Bauerumein fremdes Gericht. Der Titel „Mein erster Berg“ verhieß einen Sport- beziehungsweise Kletterfilm, so die irrige Annahme, und wenn ich irgendetwas nicht leiden kann, neben Dummheit, dann die sogenannte körperliche Ertüchtigung. Verbraucht zu viele Kalorien, lässt einen eklig schwitzen und macht am Ende nur die Gelenke kaputt. Um so angenehmer die Überraschung, denn „Mein erster Berg“ handelt mitnichten vom Bergsteigen, sondern vom ersten Berg, den der Regisseur in seinem Leben gesehen hat.
Erich Langjahr ist Schweizer und am Tor zur Innerschweiz aufgewachsen, mit Blick auf die Rigi, ein Bergmassiv, dessen höchster Gipfel , die Rigi-Kulm, gut 1 797 Meter hoch ist. Seit seiner Kindheit ist Langjahr von der mächtigen Kulisse dieses Bergs beeindruckt, den Albrecht von Bonstetten, Dekan des Klosters Einsiedeln, im Jahr 1480 als Zentrum der Welt ausgemacht hatte. In der Folge statteten alle möglichen Berühmtheiten der Rigi-Kulm ihren Besuch ab, darunter auch Goethe: „Rigi ist die Herrlichkeit der Welt“, schrieb er etwa. Langjahr geht es jedoch nicht um eine Inszenierung von Erhabenheit – das besorgt die Natur schon selbst –, sondern um die Lebensweise, die sich im Schatten des Bergmassivs entwickelt hat und nun verändert. Dieser Regisseur ist zugleich Ethnologe im besten Sinn: Er beobachtet und dokumentiert, ohne aber zu bewerten oder zu beurteilen.

Und so kommt „Mein erster Berg“ auch ohne Kommentar des Regisseurs aus.Überhaupt wirdhier wenig gesprochen und schon gar nichts erklärt; seinen Rhythmus findet der Film, bei gelegentlichem Einsatz vonAlphörnern, imWechsel der Jahreszeiten und der damit verbundenen Arbeiten. Was mitnichten dazu führt, dass eine etwaige Idylle noch mal verklärt wird. Nein, zu Beginn wirdman hier mit einem Mann bekannt gemacht, der einen mächtigen Bart sein eigen nennt. Märtel Schindler ist Älpler, ein Bergbewohner. Er fällt Bäume, fräst zunächst einen Keil in den unteren Stamm, um den Stand zu schwächen, und lässt die Motorsäge dann im Holz fressen. Das geht einige Zeit so, und nachdem die Baumrinde geschält ist, versteht man, dass der Mann ein Haus baut, dessen Zweck aber noch nicht bekannt ist. Denn Märtel Schindler und die anderen Älpler haben viel zu tun: Im Frühjahr muss das Vieh, Rinder sowie Ziegen, auf die Weide, aber es sind auch die Schienen der Kleinbahn auszubessern, mit der die vielen Touristen zur Rigi kommen. Und sie wollen alle betreut sein.

Indem Erich Langjahr den Arbeiten der Älpler die nötige Filmzeit zugesteht, weckt er im Zuschauer ein Gefühl und Respekt für die Mühen und Freuden dieses Lebens. Doch im Schatten riesiger Hotelneubauten wird dessen Bestand auch befragt, ohne dass dies indes kulturpessimistisch gerät. „Mein erster Berg“ bildet den Abschluss von Erich Langjahrs filmischer Betrachtung der ländlichen Schweiz. „Ich versuche in diesem Film, die Mitte auszuloten, die Mitte einer Landschaft und die Mitte eines Lebensbildes“, schreibt Langjahr begleitend. Das ist ihm mehr als gelungen.

Anke Westphal, Berliner Zeitung 10. Oktober 2013

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Ein ländliches Bilderpoem aus der Mitte der Schweiz

Seit Erich Langjahr 2006 mit «Das Erbe der Bergler» seinen bis anhin letzten Dokumentarfilm unter eigenem Namen realisierte, hat das Schweizer Kino eine beispiellose Welle von das Landleben verklärenden Dokumentarfilmen erlebt. Mit diesen hat das Werk von Erich Langjahr nichts zu tun - «Mein erster Berg» beweist dies noch eindrücklicher als frühere Filme des Zuger Regisseurs.

Seit 35 Jahren beschäftigt sich der mittlerweile 68-jährige Erich Langjahr in seinen Dokumentarfilmen mit Bildern vom Leben der ländlichen Schweiz. Es ist der Zusammenprall von bäuerlicher Tradition mit einer rundum globalisierten Welt, der bei all den acht diesem Zeitraum entstandenen Filmen im Zentrum steht  - am stärksten vielleicht in seinem vor nunmehr zwanzig Jahren entstandenen «Bauernkrieg», wo die ohnmächtige Wut der Bauern dramatisch sichtbar wird, die gewahr werden, dass sie eigentlich nicht mehr gebraucht werden.

«Mein erster Berg», der den Untertitel trägt »Ein Rigi-Film», macht diese Spannung deutlich in der Figur des Märtel Schindler, eines auf den ersten Blick knorrigen Bergbauern. Schindler hat zwar einen Hof an den Hängen dieses Berges, ist mit Leib und Seele Bauer. Doch  um das sein zu können, arbeitet er auch noch als Bauarbeiter und als Angestellter bei der  Rigi-Bahn, die jedes Jahr Hunderttausende von Ausflüglern auf diesen Berg hochfährt, der auf der frühesten noch erhaltenen Landkarte der Schweiz aus dem 15. Jahrhundert als Zentrum der Welt gezeichnet wurde.

Es wäre ein leichtes gewesen, aus der Tatsache, dass die Rigi in vielem der Inbegriff einer Vermarktung und Eventisierung des Ländlichen ist, einen denunziatorischen Film zu realisieren, der sich über die Auswüchse dieser Entwicklung lustig macht. Doch das ist nicht die Art von Erich Langjahr, dem Bild- und hier auch: Klang-Poeten, der aus allem, was er filmt, versucht eine kleine Geschichte zu entwickeln ohne dabei viele Worte zu verlieren. Zwar gibt es in «Mein erster Berg» einige schreiend komische Szenen mit Trachtenfiguren aus Plastik, doch das sind nur kurz eingeblendete Kontrapunkte in einer Welt, welche die Faszination für die handwerkliche Präzision in der vielfältigen Arbeit Märtel Schindlers im Rhythmus der Jahreszeiten zeigt. 

Gänzlich ohne Dialoge, dafür stets mit einem aufs Äusserste verfeinerten Sensorium für noch so feine Schattierungen bei Geräuschen, Klängen und Rhythmen aus der Umwelt, entwickelt Erich Langjahr hier in Zusammenarbeit mit dem Musiker Hans Kennel und einigen andern einen so frei wie klar strukturierten Bilder- und Klangteppich. Mit ganz schlichten Elementen, wie etwa dem rhythmischen Klag vom Einschlagen riesiger Zaunpfähle oder dem immer wieder die Bildmitte markierenden Funkturm auf Rigi Kulm schafft es «Mein erster Berg», einen Spannungsbogen aufrecht zu erhalten, der für einen Film, in dem nach landläufigen Kriterien «nichts passiert», schlicht grossartig ist. Nur ein so erfahrener Cineast wie Erich Langjahr konnte es wagen, einen formal so radikalen Film zu machen und dabei keinen Moment lang zu langweilen.

Geri Krebs (www.cineman.ch)

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Erich Langjahr mag vielen als der Inbegriff des Bergfilmers erscheinen. Seit den 70er Jahren gehört er zu Leipzig, machte mit der Alpen-Trilogie Furore, bezauberte mit dem «Erbe der Bergler» – und verkündet nun, seinen (angeblich) letzten Bergfilm vorzulegen. Er widmet ihn der Rigi: einem Gipfel, der einst als Mitte der Welt beschrieben wurde und für die Schweizer irgendwie immer noch ist. Wie beschreibt man einen Berg? Bei Erich Langjahr vor allem fern jeder Folklore und poetisch, also konkret. Wieder vereinen sich Präzision und Seele, wenn er sich an die Fersen eines Rigi-Älplers heftet: beim Bäume-Fällen, Pfählen, Betongießen oder Schneeschippen, beim gemeinsamen Mahl mit Freunden, dem Almauf- und -abtrieb und auf den Wegen über den Berg. Dessen Aneignung – auch das eine Konstante der Langjahrschen Philosophie – ist keine der kontemplativen Versunkenheit, sondern stets eine tätige. So wie Langjahrs Kamera einst fasziniert dem Heuen am Berg folgte, vertieft sie sich nun voller Ernst in das Ballett eines Kleinbaggers oder die Virtuosität einer Motorsäge. Denn die Rigi ist kein Refugium der Vormoderne: Hier gibt es Massentourismus ebenso wie futuristische Aussichtsplattformen, Hochhäuser und die unvermeidlichen «Rigi Events». Dennoch – auch durch die entrückt jazzenden Alphornklänge – gerät «Mein erster Berg» zu einer Hymne auf das, was uns (auch in einer säkularisierten Welt) heilig ist – und auf die Schweiz, diesen wunderlichen, fernen Planeten.

Grit Lemke (Katalog DOK Leipzig 2012)

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Ein Mann am Berg

Hätte dieses Werk keinen Titel, man würde davon erzählen, einen Dokumentarfilm über einen Älpler und seine Lebenswelt gesehen zu haben. Nun bringt sich aber der Regisseur in den Titel ein, und so ist man zunächst irritiert, dass Erich Langjahr, der im Vorspann schreibt «Ich bin in der Innerschweiz aufgewachsen mit Blick auf die Rigi», völlig hinter die Bilder zurücktritt. Er fängt mit seiner Kamera den Älpler Märtel Schindler ein, der am Rigi ein Haus baut. In Originallänge sehen wir, wie Schindler Holz bearbeitet, mit dem Hammer ebenso wuchtig wie präzise Pfähle einschlägt. Das mag für Städter sperrig anmuten, ist aber sinnvoll: Langjahr führt uns mit seinem Kino der Entschleunigung an den Berg und den sich an ihm manifestierenden Rhythmus der Natur heran. Schindler, der Kerl mit dem wettergegerbten Gesicht, verkörpert wohl das, was Langjahr am Berg bewundert: Standhaftigkeit, Zuverlässigkeit, Wucht. Je länger «Mein erster Berg» dauert, desto intensiver wird er. Erich Langjahr ist der Clint Eastwood des Schweizer Dok-Films: ohne Geschwätzigkeit und inszenatorischen Schnickschnack, dafür mit Urvertrauen in sein Sujet und sein Handwerk kündigt er von einem, der unbeirrt von Modetrends Traditionalist bleibt. «Mein erster Berg» ist ein Werk mit teilweise majestätischen Bildern. Mit seiner Handschrift wird es dem Berg gerecht, dem er ein von Ehrfurcht und Bewunderung getragenes Porträt widmet.

Christian Jungen, NZZ am Sonntag

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[...] «Ich bin am Tor zur Innerschweiz aufgewachsen, mit Blick auf die Rigi.» So erklärt der Autor den Titel Mein erster Berg, der nun keineswegs sein erster Beitrag zum Thema ist. Nach einer Reihe von Dokumentationen, die er realisiert habe, bilde jetzt gerade die eine den Abschluss seiner Betrachtungen der ländlichen und gebirgigen Schweiz. Der abgeklärte Geist, in dem das tolle Treiben auf der Rigi und rund um sie herum in hunderten von Einzelheiten geschildert wird, aber ohne jeden Mahnfinger oder penetranten Kommentar, macht aus der Reportage eine vollgültige Erstbesteigung.
So haben wir’s nie gesehen, und hat es keiner umfassend zu zeigen gewagt; und wäre es er selbst, Langjahr, gewesen. Vor über einem Vierteljahrhundert hat Fredi M. Murer, ein paar Dutzend Kilometer weiter südlich der Rigi, mit Höhenfeuer den einen Spielfilm gedreht, der das Leben in den Bergen noch ganz im herkömmlichen Sinn darstellt: losgelöst von den Niederungen über hundert Kilometer nach allen Himmelrichtungen und klaustrophobisch auf sich selbst bezogen. Es war das Meisterwerk eines Schweizer Filmschaffens, keine Frage, das noch vom Verständnis des 20. Jahrhunderts ausging und es in einem Mass auch zu verteidigen trachtete.

Mit durchaus vergleichbarer Entschiedenheit und Präzision setzt mein erster berg einen völlig andern Akzent, ins 21. Jahrhundert passend. Sicher existieren Verhältnisse, wie sie bei Murer geschildert sind, da und dort noch; aber sie sind inzwischen selten geworden, die industrialisierten Realitäten dessen, was als Unterland bezeichnet wird, sind in die meisten Gegenden des Hochlandes vorgedrungen.

Die Nachfrage nach der heimatlichen Folklore von ehedem freilich hat zugenommen und sieht sich mehr und mehr in allerhand Anlässe eingespiesen, die sich gern zu sogenannten events emporschrauben. Die Höhenfeuer wiederum, die in die Nacht hinausleuchten, erlöschen eher wieder. Die Rigi von heute ist wohl das beste Beispiel für den eingetretenen Wandel. Eingangs und ausgangs wählt Langjahr ein Bild, das den Signalcharakter seines ersten Bergs hervorhebt. Auf einer der Felswände wird eine überdimensionierte Nationalflagge montiert, die mit dem weissen Kreuz im roten Feld weithin für die Business-Marke Helvetia wirbt: geschäftsbelebend, umsatzsteigernd, erfolgsbehauptend, aber womöglich am Ende nutzlos, ja für Wenige abschreckend; selbst wenn das Plakat dank Beleuchtung durch die Dunkelheit strahlen sollte, wie es die Höhenfeuer taten. Oder tun sie’s noch?

Pierre Lachat, Filmbulletin 7/2012, S. 31

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«Eine ganze Welt auf einem Berg»

In «Mein erster Berg» erzählt der Schweizer Regisseur Erich Langjahr wieder von der alpinen Wirklichkeit und vom bäuerlichen Wesen. Zum letzten Mal, sagt er, und als Abschluss eines Lebensthemas.

Wer die Geduld hat für einen berglerischen Rhythmus, dems nicht pressiert, kann sich in «Mein erster Berg», dem neuen Dokumentarfilm des Schweizer Regisseurs Erich Langjahr, in den schönsten Assoziationen verlieren. Womöglich so: Wie der Älpler Märtel Schindler da steht, quasi eingewurzelt in seinen Berg, und wie er mit einem gewaltigen Holzhammer Hagpflöcke einschlägt in die Matten der Rigi, könnte man sich schon denken: Was für ein prächtiger Landsknecht das gewesen wäre in den alten Tagen, so um 1480 vielleicht, als Albrecht von Bonstetten, der Dekan des Klosters Einsiedeln, auf seiner Weltkarte die Innerschweiz als das Zentrum der Welt zeichnete und die Rigi als das Zentrum der Innerschweiz. Man hätte dem Märtel damals nicht in den Hammer laufen wollen, um es einmal so auszudrücken.

Dann wieder sieht man ihn unter Kühen, die ihm anvertraut sind, und wird eine zu übermütig gegen ihn, spürt sie eine harte Hand; aber kommt es zur Nahaufnahme, möchte man schwören, da sei ein fast zärtlicher Glanz in Schindlers Augen, und man mag denken: Was für ein friedliches Gemüt hinter einem ungestümen Bart. Ringsherum ist lauter Landschaftsschönheit und sind die Zeichen der touristifizierten Zeit; und während die Touristen aus Sehnsucht nach der Schönheit Tagesausflüge auf den Gipfel der Rigi machen und auf den Sendeturm dort steigen, also noch etwas höher als der natürliche Gipfel, ist der Märtel Schindler einfach da als die Verkörperung einer zeitlosen Überschaubarkeit und als Teil mancher Sehnsucht, und er macht kein Wesen um das Schöne.

Erich Langjahr hat nichts gegen solche Assoziationen, auch wenn es nicht gleich die seinen wären. Sie gehören zur filmischen Qualität, nach der er sucht. Er nennt es das «Dreiecksverhältnis» von Stoff, Autor und Zuschauer. Ein Stoff falle ihm zu, sagt er, eine Wirklichkeit, in die er sich begebe und in deren Rahmen er «eine ganze Welt» ahne, «und dann sammle ich Bilder und habe den Glauben, sie hätten alle miteinander zu tun, weil ich sie ja aufgenommen habe». Bei der Verdichtung, der «Suche nach der Geschichte», falle natürlich einiges weg, vieles sogar, «wunderbare Sachen» manchmal, aber eben: «Puzzleteile aus einer anderen Schachtel», sozusagen. Und ohnehin werde so eine Geschichte erst ein Ganzes auf dem Weg zum erlebenden Publikum und mit ihm.

«Mein erster Berg» soll sein letzter Film vom ländlichen, berglerischen Leben sein, gewissermassen der Abschlussstein eines «enzyklopädischen» Unternehmens nach über 35 Jahren, und der Stolz, einen wahren Wirklichkeitsraum geschaffen zu haben, ist spürbar.

Er habe, sagt er, viel erzählt, seit dem Entschluss, filmisch zuhause zu bleiben, damals «als wir alle Internationalisten waren»; und im Grunde schienen die Erzählungen das gleiche Zentrum zu umkreisen, einen Ballen von sehr schweizerischen Widersprüchen, am Säntis oder auf der Rigi, an der Morgartenfeier im alleresten langen Dokumentarfilm («Morgarten findet statt», 1978) oder an der letzten rein männlichen Landsgemeinde im Appenzell («Männer im Ring», 1990), auch auf der «Hirtenreise ins dritte Jahrtausend» (2002) und in all den anderen realistische Balladen von einem bäuerlichen Sein: «Vaterländische» Freiheitsvorstellungen stiessen da aufeinander. Der Begriff «Natürlichkeit» zeigte seinen wechselhaften, sogar korrupten Charakter. «Mutterländische» Widersprüche taten sich auf als Leidenserinnerungen des Kindes Erich, «das nicht katholisch war in einem katholischen Land» (so drückte Langjahr es 1986 in «Ex Voto» aus, einem «Heimatfilm», wenn er je einen gemacht hat). Seine Protagonisten haben oft ihrer Zeit ihre Unzeitgemässheit entgegengesetzt, eine «untouristische, undistanzierte Selbstverständlichkeit», «und jetzt», sagt Erich Langjahr, geboren 1944, «bin ich wieder am Anfang». Bei der Rigi, die auf einen, der nicht vom Berg kam, sondern vom Zuger Stadtrand, schon als Kind eine Art Zauber ausübte (mehr als Bild, nicht so sehr als erlebte Wirklichkeit); und beim Märtel Schindler, der zu dem Menschenschlag gehört, der beim Filmemacher die Faszination für eine autarke Selbstverantwortung nährt.

Im Genre, das er hierzulande mitbegründete, hat Erich Langjahr bereits Erben und Epigonen, die nicht genug bekommen können von Bauerntum und Alpsegen. Er verliert kein böses Wort über sie. Es sei denn, man verstehe es als kritische Anspielung, wenn er sagt: «Ich bin kein Nostalgiker.» Auch das Wort «Sehnsucht» ist ihm, dem Realisten, der immer habe «dahinter schauen» wollen, nicht angenehm. Andererseits sagt er dann doch: «Meine Filme sind eine Form von Chronik, und meine Figuren sind Allegorien einer Welt, die noch existiert in inneren Bildern.» 85 Mal war er auf der Rigi, um sie in der Wirklichkeit zu finden. Und steckt darin nicht eine schwer arbeitende Sehnsucht, die sich von der Nostalgie unterscheidet wie der Traum vom Kitsch? Erich Langjahrs fordert nicht auf zum Sennentum oder zum Schafehüten. Aber ein halbes Leben lang hat er versucht, den Beweis anzutreten für die überlebenswerte Existenz des Sennen und Hirten in uns allen.

Christoph Schneider, Tages-Anzeiger, 18. Dezember 2012 (leicht gekürzt)

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Mein erster Berg, ein Rigi Film – Oder: Wo die Welt (noch) in Ordnung ist

Für alle diejenigen, welche in Geografie einen Fensterplatz hatten: Die Rigi ist ein Bergmassiv, welches sich zwischen dem Vierwaldstättersee, dem Zugersee und dem Lauerzersee befindet. Über die Jahrhunderte ist sie zum beliebten Touristenziel geworden und zog auch bekannte Köpfe wie Mark Twain, Johann Wolfgang von Goethe und Leo Tolstoj an, wobei Letzterer den Ausblick von dort oben «als einen der schönsten der Welt» bezeichnete.

Nicht ein Ausflugsziel, sondern der Arbeitsort ist die Rigi für den Älpler Märtel Schindler. Er legt, wie schon frühere Generationen seiner Familie, dort Hand an, wo es gerade nötig ist - sei dies bei einem Hausbau, bei der Reparatur der Zahnradbahn oder beim Verschieben einer Geissenherde. Dokumentarfilmer und Rigi-Fan Erich Langjahr hat Schindler über die Jahre begleitet und dessen Alltag auf Film festgehalten.
Mein erster Berg – Ein Rigi Film ist der letzte Bergfilm von Regisseur Erich Langjahr. In seiner Karriere hat der inzwischen 68 Jahre alte Zuger schon verschiedene in seinen Filmen gezeigt und schliesst die Reihe nun mit dem Bergmassiv ab, auf welches er in seiner Kindheit immer einen Blick hatte. Für ihn sei die Rigi der Inbegriff eines Berges. Bei diesem Worten ist klar, dass Mein erster Berg eine Liebeserklärung geworden ist. Dies drückt sich in Einstellungen aus, in denen auch mal länger verweilt wird als normalerweise, um die ganze Pracht einzufangen, damit die Bilder auch auf die Zuschauer wirken können. Kommentare sind da überflüssig, es gibt kein Voice-Over. So erinnert der Film auch ein wenig an die Bildershows Baraka und Samsara.

Wo aber vor allem das letztgenannte Werk zu verkrampft versuchte Botschaften zu verklickern, macht dies Langjahr dezenter. Schweizerisch neutral gelingt ihm ein Blick auf die Rigi und deren Schönheit, scheut dann aber nicht davor zurück, ein leicht wehmütiges Ende zu bieten, in dem Grossbauten zu sehen sind und die Schweizer Fahne eingezogen wird.
Zugegeben, Mein erster Berg ist nicht für jeden geeignet. Wer keine Freude an der unbefleckten Natur hat, wird es schwierig haben. Lange wird auf grasenden Kühen verweilt oder der Bau eines Holzhauses Schritt für Schritt begleitet. Doch Langjahr ging es vor allem darum, das Lebensgefühl auf der Rigi einzufangen und dies gelingt ihm vorzüglich, sodass man glaubt, die frische Bergluft richtiggehend zu riechen. So schafft er es, Werbung für «seinen» Berg zu machen, aber auch gleichzeitig den Zeigefinger zu heben, dass es diesen Schatz zu pflegen gilt.

Fazit: Mein erster Berg – Ein Rigi Film ist Natur pur. Langjahr heftete sich dem heimlichen König der Rigi an den Fersen und zeigt dabei ein Porträt eines schönen Fleckchens Erde. ... Ein sehenswerter Dokumentarfilm, welcher fasziniert und einen die Natur wieder besser schätzen lehrt. In einer Zeit, in der sich das Leben fast nur noch in den Städten abspielt, ein wichtiges Werk.

Christoph Schelb (www.outnow.ch 1.10.2012)

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Da baut einer ein Haus am Berg, nicht an irgend einem Berg, sondern an der Rigi, und nicht irgend ein Haus, sondern ein Blockhaus. Er beginnt mit der Auswahl der tauglichen Bäume. Dann fällt, schält und kerbt er die Stämme, bis sie genau in sein Hauspuzzle passen. Kletterer ziehen ihre ackergrosse Schweizerfahne über die nackte Felswand. Jahrhunderte altes Bauen und abenteuerlicher Spektakel mit vaterländischem Tuch gehören in Erich Langjahrs neustem Werk «Mein erster Berg – Ein Rigi Film» nahe zusammen, so gegensätzlich sie auch sind. Der Filmautor, welcher Drehbuch, Regie, Schnitt, Text und Produktion in einer Person vereinigt, schreibt: «Nach all den Bergfilmen, die ich gemacht habe, bildet der Film ‹Mein erster Berg› den Abschluss meiner filmischen Betrachtung der ländlichen und alpinen Schweiz. Ich bin am Tor zur Innerschweiz aufgewachsen mit Blick auf die Rigi. Seit meiner Kindheit hat mich die mächtige Kulisse dieses Berges beeindruckt.» Und dieser Berg wird nun Mittelpunkt, Pol und Haus. Wir dürfen eintreten in die Heimat, die Vertrautheit. Zu den Menschen. Ins Heute. In die Skilift- und KKL-Kultur. Und immer den Boden spüren, den Bergboden, den Fels, die Natur. Erich Langjahr und seine Frau Silvia Haselbeck (Assistenz) haben eine ganz eigene Filmsprache gefunden, die stets nahe an der Realität und am Leben bleibt, mit dem Begriff Dokumentarfilm jedoch nicht zu fassen ist. Zum Film «Ex Voto», der vor einem Vierteljahrhundert geschaffen wurde, hat Erich Langjahr den Aufbau als Haus gezeichnet. Und wieder baut er ein Film-Haus mit vielen Zimmern, ein faszinierendes.

Fred Zaugg, Der Bund, 1.11.2012

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Es ist ein echter Ich-Film über Langjahrs Liebe für eine innerschweizerische Bergkette namens Rigi. Das teilt er uns auch mit - gleich zu Beginn des Filmes. Schriftlich. Einen Off-Kommentar schenkt sich der Schweizer, lässt stattdessen Alphörner grooven und wir danken es ihm. Er findet tolle Bilder und eine Geschichte, die uns am Ende sein Gefühl für die Rigi mit ihm teilen lässt. So wird aus dem Ich ein Wir. Das ist dann für mich auch eine gute, emotionale Story.

Thomas Schneider, www.dokumentarfilm.info, Bericht aus Leipzig)

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Filme, die nur Bilder sprechen ließen, wie der des Schweizer Leipzig-Veterans Erich Langjahr (Mein erster Berg – ein Rigi Film), waren selten.

Heinz Kersten, Der Freitag, 8.11.2012

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Und er stieg auf einen hohen Berg und schaute den Kreislauf der Wiederkehr
«Mein erster Berg – Ein Rigi Film» von Dokumentarfilmaltmeister Erich Langjahr ist eine bildgewaltige Berg-, Heimwerker- und Alphornklangmeditation über das Zentrum der Welt: die Rigi, ein Bergmassiv in der Zentralschweiz.

Geschichten aus dem Hinterstübchen. Blog von Juliette Guttmann (Leipziger Zeitung LVZ online 2.11.2012)

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«Ich liebe von den Reisen nicht die weiten sondern die – breiten». Johann Peter Hebel, der passionierte Fussgänger, legte Wert darauf, dass die Welt an einem Ort ebenso erfahrbar wird wie beim Weltreisen. Erich Langjahr scheint das zu Herzen gegangen zu sein. Sein Film ist zu Fuss und vor Ort unterwegs – an einem einzigen Berg. Als hätte er sich über Jahre von der Rigi nicht entfernt, präsentiert er uns die Welt in Nahsicht, mit einer grossen entschleunigten Weitsicht.

Die Rigi, seit Jahrhunderten das Ziel von Gängern, ist für einmal ein Zuhause, nicht ein Wanderziel – im Film von Erich Langjahr sind wir mit dabei, in der Zeit der Betrachter und in der Zeit des Betrachteten.

Erst muss der Baum gefällt werden. Während vom Schlittelweg das Kreischen von Kinderstimmen hallt, fallen unter dem Gebrüll einer Kettensäge Tannen. In aller Ruhe wird der Stamm geschält. Als wäre alle Zeit der Welt vorhanden, werden die Balken aufgelegt: In schwindelnder Höhe entsteht ein Alpstall, ein Haus. Mit zeitloser Gelassenheit dürfen wir jedem Schritt folgen. Wie eine Rinde geschält wird. Wie eine Kerbe gehöhlt wird. Wie ein Balken genutet wird. Wie die Armiereisen vernietet werden. Akribisch verfolgen wir das mit dem Blick eines wortlosen Mannes. Der Älpler Märtel Schindler scheint alles zu können. Einen Kleinbagger mit dem Geschick eines Kunstturners auf den Kleinlaster zu laden fällt ihm ebenso leicht, wie eine Herde Ziegen in den Tiertransporter zu zaubern oder einen Zaunpfahl zu spitzen.

Langjahr stellt keine einziges Wort zwischen uns und die Bilder rund um den Berg. Hin und wieder lässt er eine archaische Musik etwas vom Arbeitsrhythmus aufnehmen, während er Märtel Schindler kommentarlos das Seine tun lässt und uns das Unsere erfahren: wie unendlich viel Pioniergeist da oben am Berg gebraucht wird, wie viel Geschick erforderlich ist, um da der Zeit zu trotzen.

Während im Hintergrund die Postkartenwelt sich dehnt, und im Mittelgrund die Touristen kommen und gehen, sind wir in der Nahaufnahme bei einem Bergler, der mit der Beharrlichkeit der Jahreszeiten mithält. Das Haus wächst wie der Bart, das Kalb, das Gras. Die Kamera ist bei aller Mühsal dabei. Des Langen und Breiten lässt uns Langjahr die Zeit des Beobachters und die Zeit des Beobachteten verbringen und hin und wieder auch des Lauschens mit der Musik von Hans Kennel und anderen.

Mark Twain hat an der Rigi ein Stück Schweiz zu Fuss gefunden. August Strindberg hat sich in diesem, wie er es nannte, Paradies, verirrt. Langjahr findet in seinem Film eine faszinierende Sicht auf eine Zeit, die Arbeit noch als Mass kennt. Am Berg der Berge. An der Rigi. Ganz unspektakulär folgt er, ohne auch nur ein Wort des Kommentars über die Bilder zu stülpen, dem manuellen Entstehen eines Hauses. Was auf den ersten Blick so aussieht, als würde er sich einfach viel Zeit gelassen haben, ist bei längerem Hinsehen eine Wanderung durch eine unvirtuelle Welt der kleinen, wirklich grossen Anstrengungen.

Hansjoerg Betschart im Blog der TagesWoche, 16.11.2012


Interviews mit Erich Langjahr

«Mittlerweile sind wir ja alle mehr oder weniger Städter»

Seit 35 Jahren dreht der Innerschweizer Filmemacher Erich Langjahr Dokumentarfilme über die bäuerliche Schweiz. Sein neustes Werk «Mein erster Berg. Ein Rigi-Film» kommt diese Woche in die Kinos. Woher diese Obsession?

Geri Krebs | Interview mit Erich Langjahr, WochenZeitung Nr. 47 vom 22.11.2012

In einem Ihrer frühen Filme, «Ex Voto» von 1986, sprachen Sie einmal beiläufig von Ihrer Liebe, ja fast Obsession zum bäuerlichen Leben in der Schweiz: Sie stammten aus einem kleinbürgerlichen Elternhaus, wären selber aber gerne Bauer gewesen. Trifft das immer noch zu?

E.Langjahr: Ja, ich habe als Kind gerne Bauernhof gespielt, mit Holzkühen und mit einem kleinen Stall, und ich baute Zäune (lacht). Wenn ich das heute,  60 Jahre später, betrachte, so faszinierten mich schon damals Dinge wie: Auf dem eigenen Boden etwas machen, selber über seine Lebensgrundlagen bestimmen mit Tieren, mit deren Wachstum, mit den Pflanzen, und dabei Verantwortung tragen - und das alles in einem überschaubaren Rahmen. Aber wer hätte nicht gerne so einen Traum? Ich muss dazu aber noch erklären, dass Zug in den 1940er und 1950er Jahren, als ich ein Kind war, eine stark ländliche Prägung hatte. In unserem Quartier, bei der damaligen Metallwarenfabrik, waren in der Nähe Bauernhöfe. Ich ging auch zu den Bauern und half manchmal mit.

Ja, aber diese biografische Prägung  erklärt nur bedingt, wieso Sie sich auch als Dokumentarfilmer seit 35 Jahren mit der bäuerlichen Schweiz befassen?

Da haben Sie Recht – ich versuche mal zu erklären, wie es bei mir anfing mit den Filmen über die ländliche Schweiz. Das war 1977, ich hatte damals, als es in der Schweiz noch gar keine Filmförderung in der heutigen Form gab, zuhanden der Zuger Regierung ein Dossier eingereicht mit dem Titel: sieben mögliche Filme. Einer war  «Morgarten findet statt» – und den befanden die Zuger als förderungswürdig. Dies war mein erster langer Film, wo ich in der Begleitbroschüre sinngemäss schrieb: Die Idee, die Innerschweiz bilderbuchartig in einer Reihe von Filmen zu erforschen, hat mich schon lange fasziniert und ich bin überzeugt, dass man hier Kultur will und auch machen kann. Dabei will ich ein anderes Kino, ein Anschauungskino, das den Zuschauer für mündig hält. Für mich ist der Film ein Dialog und der Zuschauer ein Partner.  Das war vor 35 Jahren, und ich hatte mich damals schon entschieden für eine Bildsprache, die weit gehend ohne Dialoge und ganz ohne Kommentare auskommt. Ich war geprägt von der 68 er Zeit. Ich versuchte mit diesem Film zu ergründen, wie Morgarten, ein Symbol der Freiheit,  gefeiert und verstanden wird, und ich fragte: Welche Vorstellung haben unsere Väter von Freiheit?

Jener Film hatte zwar in einem ländlichen Milieu gespielt, aber es war noch nicht das Leben der Bauern, das im Zentrum stand. Wie vollzog sich dieser Schritt hin in jene Welt, die dann ab «Ex Voto», ihrem nächsten Film, zentral war?

Ich denke, es war folgerichtig, denn so wie es in «Morgarten findet statt» um die Mythen der Väter ging, das Vaterländische, so war «Ex voto» ein Film über das «Mutterland». Dort stand eine Frau im Mittelpunkt, die alte Bäuerin Frau Heggli und die Ordensschwestern auf dem Gubel.

Das ist nachvollziehbar, aber seit jenem Film sind fast 27 Jahre vergangen, und Sie haben sich seither stets in jener Welt bewegt. Warum?

(denkt lange nach) Natürlich ist das eine gute Frage, aber ich kann sie nicht so auf die Schnelle beantworten. Sicher hat es damit zu tun, dass wir in einer Zeit leben, da die Urbanisierung weit fortgeschritten ist, das Ländliche befindet sich überall auf dem Rückzug. In meinem Film «Bauernkrieg» von 1998 war das sehr zugespitzt mit den Bildern einer militanten Bauerndemo. Aber auch ohne jenes Extrembeispiel kann ich feststellen, dass ich noch nie jemand getroffen habe, der mir sagen würde: Ich finde das eine gute Entwicklung, so wie das läuft mit der Urbanisierung. In meinen Filmen thematisiere ich diese Widersprüche. Aber wir müssen uns auch nichts vormachen: Mittlerweile sind wir ja alles Städter, auch ich lebe ein städtisches Leben, auch wenn ich in einer Randzone zwischen Zug und Luzern lebe. Und viele Städter haben eine starke ländliche Seite in sich, die sie dann in den Ferien und in der Freizeit kompensieren. Wir kennen die katastrophalen Folgen der Landflucht in der so genannten Dritten Welt, wir blicken besorgt dorthin, bei uns aber findet Ähnliches statt, einfach in einem sozial verträglichen Rahmen. Mit meinen Filmen möchte ich erlebbar machen, was das alles für uns bedeutet, ohne aber den Zuschauer mit einer Meinung  vereinnahmen zu wollen.

Lange Zeit waren Sie fast der einzige, der sich filmisch der bäuerlichen Schweiz widmete, seit zwei, drei Jahren gibt es nun aber geradezu eine Welle von Filmen, die sich auch in diese Welt begibt. Wie ist das für Sie?

Ich habe kein Problem damit, sondern ich freue mich darüber, dass nun neue Generationen diese Themen aufgreifen. 

Aber so manche dieser neuen Schweizer Filme aus der bäuerlichen Welt haben doch einen eher romantisierenden oder nostalgischen Blick …

Ich finde das zum Beispiel interessant, dass das Thema Hirten nun im Welschland  aufgegriffen wurde, so wie ich das vor Jahren mit dem Film Hirtenreise ins dritte Jahrtausend gemacht habe. Ein Anachronismus wie die Transhumanz ist in unserer heutigen Zeit beinahe eine Provokation und ein wichtiger Beitrag zur Reflexion. Ich denke, Industrialisierung, Rationalisierung, Globalisierung und Digitalisierung können dem Menschen nicht das Wesentliche nehmen, nämlich den Anspruch auf ein erfülltes und sinnvolles Leben. Hirten und Älpler sind für mich nicht Zeugen einer versunkenen Überlebenskultur, sondern machen mir bewusst, was es bedeutet, sich der Natur zu stellen. Mich hat in meinen Filmen immer interessiert, was die Menschen mit ihren Tätigkeiten unserer Zeit entgegensetzen, in der das ländliche Leben oft nostalgisch oder kompensatorisch für das vorherrschende urbane Leben sein soll. Mein Anspruch ist es, Kino aus einer ländlichen Wirklichkeit  der Schweiz heraus zu machen, verbunden mit dem Wunsch, so etwas beizutragen über die Diskussion zum Verhältnis Stadt-Land.  Der Grundwiderspruch unserer Zeit ist die Unvereinbarkeit unseres Wissens und unseres Handelns. Meine eigene Zerrissenheit wird mir über die Menschen in meinen Filmen bewusst.


Wo der Filmemacher das Einfache fand

Bote der Urschweiz, 15.11.2012

Mit Erich Langjahr sprach Silvia Camenzind

Die Rigi war Ihr erster Berg. Mussten Sie als Kind mit Ihren Eltern dort wandern gehen?

Erich Langjahr: Ich bin in der Innerschweiz aufgewachsen, und bereits als Kind hat mich die mächtige Kulisse der Rigi beeindruckt. Sicher war die Rigi auch eines der ersten Ausflugsziele mit meinen Eltern, doch der Titel «Mein erster Berg – Ein Rigi Film» meint aufs Erste eher den für mich prägenden Eindruck dieses Berges, der mich als Bild fasziniert hat – und das ist bis heute so geblieben.

Ihre Dokumentarfilme zeigten bisher die Bergwelt abseits des Tourismus. Die Rigi aber ist ein klassischer Tourismusberg. Wie stark setzten Sie den Fokus darauf?

Der Film «Mein erster Berg – Ein Rigi Film» ist ein Zeitbild aus der Mitte der Schweiz. Im Film erlebt man im Rhythmus des Jahreszeitenzyklus einerseits eine Arbeitswelt, ich meine das Einfache und Rätselhafte des Alltags, und anderseits den Tourismus, die Freizeitwelt sowie auch die Festwelt an diesem Berg. Es ist meine filmische Entdeckungsreise und gleichzeitig ist es eine Reise an die Ränder unserer Gesellschaft, wo ich noch das Archaische und Einfache finde, vermischt und durchsetzt mit der modernen Welt. Ich empfinde diesen Widerspruch in mir selbst als Spannungsfeld und Teil meiner eigenen Identität. Ich denke, dass dieser Widerspruch zwischen Archaischem und Zeitgenössischem bewusst oder unbewusst auch bei meinen Mitmenschen vorhanden ist.

Im Rigi-Film zeigen Sie den Älpler Märtel Schindler bei der Arbeit. Wie und wo fanden Sie ihn?

Märtel Schindler habe ich über den Bauern Werner Locher, ebenfalls ein Protagonist im Film, kennengelernt. Er gibt sein Vieh schon mehr als 20 Jahre in die Sömmerung auf Rigi Kulm, auf die Alp von Märtel, so wie man das im Film erlebt.

Was bedeutet er für Sie?

Mir geht es nicht um eine Stilisierung der Figur des Älplers, im Sinne der Faszination des freien Lebens, der körperlichen Kraft und des Selbstbewusstseins. Für mich ist das Naturverständnis von Märtel Schindler frei von Pathos und Überhöhung. Die Natur ist für ihn eine Tatsache. Der Berg ist einfach da.

In Dokumentarfilmen wird oft vieles erklärt. Ihre Filme aber kommen ohne viele Worte aus.

Drehen heisst für mich Material sammeln über das, was sich ereignet, das heisst mit der Kamera erleben, durch den Sucher schauen und sehen, was geschieht, und nicht im umgekehrten Sinne etwas, was ich bereits weiss, mit der Kamera zeigen und dokumentieren wollen.

Was passiert beim Schneiden?

Beim Schnitt geht es zuerst darum, das gedrehte Material zu sichten und dabei kennenzulernen. Ich gehe davon aus, dass meine Filmgeschichte im gedrehten Material steckt. Wie bei einem Puzzle ohne Vorlage gilt es nun zu erkennen, wie die einzelnen Teile und Sequenzen zueinander stehen. Die Schnittfolge des Films wird von der inneren Logik der einzelnen Bilder und Sequenzen und deren Beziehungen zueinander bestimmt.

Führen Sie den Betrachter bewusst durch den Film?

Mein Anspruch ist ein poetischer Film, der näher am Musikalischen, Dichterischen und Malerischen ist als am nur Informativen. «Mein erster Berg» ist zuerst einmal ein Filmerlebnis. Ähnlich wie in meinen Filmen «Das Erbe der Bergler», «Hirtenreise ins dritte Jahrtausend», «Sennen-Ballade» oder auch «ExVoto» gibt es darum keine gedrehten Interviews, sondern die Filme haben eher einen nonverbalen Charakter. Ich möchte über die Bilder des Films beim Zuschauer eigene, innere Bilder provozieren und so eine Reflexion ermöglichen über das, was die Bilder bedeuten. Mich interessiert das, was nicht mit Worten einen Ausdruck findet.

Kann das als die Suche nach dem Wesentlichen verstanden werden?

Generell liegt für mich das Wesentliche nicht imVerbalen, sondern im gestischen Ausdruck, in der Handlung, in dem, was die Menschen tun, im Nonverbalen. «Mein erster Berg – Ein Rigi Film» ist ein musikalisches Filmgedicht aus unserem Land, aus unserer Zeit, im Sinne eines Zeitbildes aus der Mitte der Schweiz, in dem Gesichter und Landschaften Sinnträger (Spiegel der Seele) von nicht verbaler Deutbarkeit sind.

Die Musik im Rigifilm stammt von bekannten Musikern. Wie wichtig ist sie?

Wie beim Film «Das Erbe der Bergler » stammt die Musik von Hans Kennel. Er ist ein grosser Kenner von volksmusikalischen Traditionen. Die Rigi ist ihm sehr vertraut, da er am Fusse der Mythen aufgewachsen ist. Als Knabe hat er selber Vieh von Goldau her auf die Rigi getrieben. Hans Kennel bringt die Klänge der traditionellen Schweizer Musik, das heisst der Alpenmusik, mit seiner Erfahrung im Jazz zusammen. Sein musikalischer Ausdruck, sei es mit seinen Instrumenten Alphorn und Büchel oder vokal, kommt ganz von ihm selber. Er spielt eine Musik, die in den tieferen Schichten des Menschen wurzelt. Auch die Stimme von Hans Kennel, im Duo zusammen mit der Sängerin Betty Legler, ist im Film ein zentrales und wichtiges Ereignis.

Bild oder Musik – Auge oder Ohr? Welches setzt Ihres Erachtens mehr Emotionen frei?

Das filmische Bild wird ganz vom Rhythmus bestimmt, dem Rhythmus der Zeitbewegung und hat so eine musikalische Gesetzmässigkeit. Ich gestalte den Ton des Filmes als musikalisches Ereignis, auch dort, wo zum Beispiel nur Geräusche vorhanden sind. Ein Kinoerlebnis wird vom Zuschauer gefühlsmässig verstanden. Als Filmemacher habe ich durch das Zusammenspiel von Bild und Ton die Chance, dass im Herzen des Zuschauers etwas wahr wird. Das ist Kino.

«Rigi – wer sie kennt, liebt sie», hiess vor Jahren ein bekannter Slogan. Wie ist Ihre Meinung dazu?

Die Rigi ist mein persönliches, verinnerlichtes Motiv als Ausdruck meiner eigenen innerschweizerischen Identität. Dieser Film ist mein Versuch, mich im Hier und Heute meines kulturellen Lebensraumes verstehen zu wollen, auch im Sinne von einem, der hier zu Hause ist.

Werden Sie sich nach dem Rigi-Film weiterhin mit Bergen oder der ländlichen Bevölkerung befassen?

Wie es filmisch weitergeht bei mir, weiss ich im Moment nicht. Der Schritt zum Zuschauer, indem ich mich jetzt befinde, erfordert meine ganze Kraft.


 

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